„Wir zelebrieren weiter und setzen das Allerheiligste aus“ – Interview mit dem Rektor der deutschen Nationalkirche in Rom - Corrispondenza romana
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„Wir zelebrieren weiter und setzen das Allerheiligste aus“ – Interview mit dem Rektor der deutschen Nationalkirche in Rom

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(Giuseppe Nardi, Katholisches – 14. März 2020) Der Rektor der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell’Anima in Rom, der österreichische Priester Franz Xaver Brandmayr, wurde zum Helden der Stunde auch mit Blick auf den deutschen Sprachraum. Er wehrte sich gegen das Dekret des Kardinalvikars vom 12. März, mit dem die Schließung aller Kirchen und Kapellen für die Gläubigen angeordnet wurde. Diese zweite Maßnahme folgte auf die erste, die in Italien seit dem 8. März bereits alle öffentlichen Messen untersagt. Inzwischen ist man sich in den Apostolischen Palästen bewußt geworden, wohl überreagiert zu haben. Der Kardinalvikar korrigierte gestern sein Dekret. Die Pfarrkirchen bleiben offen. Katholisches.info führte ein Interview mit dem Rektor der Anima, dessen Kirche ohnehin offen bleibt.

 

Frage: Italiens Bischöfe haben alle Messen und religiösen Zeremonien ausgesetzt. Auch Bischöfe anderer Länder folgen diesem Beispiel. Sie haben dazu eine andere Meinung. Welche?

Rektor Brandmayr: Hat sich erledigt (durch die Aufhebung des Dekrets).
Ist wohl von Papa Francesco ausgegangen

Frage: Die kirchlichen Amtsträger wirken derzeit wie ein verlängerter Arm des Staates. Ist das die richtige Antwort, die die Gläubigen derzeit brauchen?


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Rektor Brandmayr: Viele römische Pfarrer, die näher an den Menschen sind, haben sehr klug und entschieden reagiert. Mit Erfolg.

Frage: Wie stellt sich die Frage kirchenrechtlich überhaupt. Kann ein Bischof einem Pfarrer, der sich nichts zuschulden kommen hat lassen, einfach die öffentliche Meßzelebration verbieten? Auf welchen Canon des CIC stützt man sich dabei?

Rektor Brandmayr: Kann er, soll er aber tunlichst unterlassen.


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Frage: Gläubige beklagen, ob in Italien oder im deutschen Sprachraum, die fehlende geistliche Dimension der Krise. Es scheint vielen, als würde die Kirche keine Antwort geben. Ist dem so?

Rektor Brandmayr: Ich höre viele Klagen, dass die Bischöfe nur mit Dekreten reagieren und nicht auftreten. Jetzt hat der Vikar von Rom einen Brief veröffentlicht, der sich aber auch hauptsächlich selber rechtfertigt, statt auf die Leute zuzugehen.

Frage: Sie haben gesagt: Wenn man ihre Kirche zusperren will, muß man Sie zuvor physisch überwinden. Hat es schon jemand versucht?


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Rektor Brandmayr: War nicht notwendig. Die Polizei hätte auch keinerlei Kompetenz, das Dekret des Vikariats (das ja bereits aufgehoben wurde) umzusetzen.

Frage: Beabsichtigen Sie besondere Initiativen während der Krisenzeit?

Rektor Brandmayr: Wir zelebrieren weiter an den Seitenaltären. Ich am Volksaltar um 18 Uhr, am Sonntag um 10 Uhr. Wir denken daran, das Allerheiligste außerhalb der Messen auszusetzen und wir publizieren, das wir Krankenkommunion und Beichten in die Häuser bringen.

Die Kirche Santa Maria dell‘Anima, kurz Anima genannt, und die mit ihr verbundenen Einrichtungen stellen eine ganz besondere römische Institution dar. Sie ist rechtlich gesehen der letzte Rest des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das erklärt auch den großen geographischen Raum, den sie abdeckt. Deshalb wurde auch der siebte und bisher vorletzte deutsche Papst, Hadrian VI. (1522/1523), nach heutigem Verständnis ein Niederländer, in der Kirche der Anima beigesetzt.

Als im Reichsdeputationshauptschluß 1803 alle geistlichen Reichsfürstentümer aufgehoben wurden, vergaß man auf die deutsche Nationalkirche in Rom. Deren Kirchenrektor verfügte ebenfalls über Reichsunmittelbarkeit. 1806 wurde die Kaiserwürde ruhend gestellt, während sich für die deutsche Nationalstiftung in Rom nichts änderte.

Die Anima ist Zentrum und Anlaufstelle der Gläubigen aus dem engeren und weiteren deutschen Sprachraum. Die Messe wird im Neuen Ritus auf deutsch zelebriert und es besteht die Möglichkeit auf deutsch zu beichten. Diese bemerkenswerte Institution befindet sich, etwas versteckt, gleich westlich der Piazza Navona, in der gleichnamigen Via Santa Maria dell’Anima.

Derzeitiger Rektor (und Reichfürst) ist der österreichische Priester Franz Xaver Brandmayr aus dem Bistum Linz. 2007 ernannte Papst Benedikt XVI. den im Erzbistum Wien inkardinierten Priester und Kirchenrechtler zum Rektor der Kirche und des Deutschen Priesterkollegs Santa Maria dell’Anima sowie der damit verbundenen Bruderschaft.

Am kommenden 1. September 2020 wird er durch Michael Max abgelöst werden. Der Liturgiker Max ist Priester des Erzbistums Salzburg und war zuletzt Pfarrprovisor der Salzburger Universitätspfarrei und Rektor des Salzburger Bildungshauses St. Virgil. Zuvor war er in der Pfarrseelsorge tätig.

Verantwortlich für die Einrichtung sind heute die Deutsche und die Österreichische Bischofskonferenz gemeinsam. Der Kirchenrektor wird von der Österreichischen Bischofskonferenz ernannt und von der Deutschen Bischofskonferenz bestätigt. Darin schwingt nach, daß das habsburgische Österreich nicht nur die Kaiserwürde innehatte, sondern auch katholische Vormacht im Reich war, bis das protestantische Preußen 1866 militärisch die die kleindeutsche Lösung unter Ausschluß Österreichs erzwang.

Ein Besuch der Kirche der Anima ist ein Muß aller Rom-Pilger aus dem Raum des einstigen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.