Unsere Toten: eine Legion von Seelen, die uns im Kampf unterstützen - Corrispondenza romana
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Unsere Toten: eine Legion von Seelen, die uns im Kampf unterstützen

(Roberto de Mattei, Katholisches – 27 November 2019) Mit fortschreitendem Alter nimmt die Zahl derer zu, die wir kennengelernt haben, und die das Erdendasein schon vor uns hinter sich gelassen haben. Was wird ihre ewige Bestimmung sein?

Gott allein kennt die endgültige Bestimmung der Seelen, aber es ist sicher, daß eine große Zahl derer, die im Stand der Gnade sterben, in Erwartung ihres Einlasses in die ewige Herrlichkeit des Paradieses die Qualen des Fegefeuers erleiden. Diese Seelen sind Teil der Ecclesia purgans, der leidenden Kirche, die zusammen mit der Ecclesia militans und der Ecclesia triumphans die eine Kirche Christi bildet. Deshalb sagt der heilige Augustinus:

„Tota enim in Christo Ecclesia unum corpus est“ (Enarr. In Ps, 148, PL, 51, 423), „Die ganze Kirche bildet einen Leib in Christus“.
Der mystische Leib Christi ist die Grundlage der Gemeinschaft der Heiligen, die drei Kirchen umfaßt: die streitende, die leidende und die triumphierende, die von jenen gebildet werden, die auf Erden kämpfen, die sich im Fegefeuer reinigen und die im Himmel triumphieren. Diese Civitas Dei widersetzt sich der civitas diabuli, die kein Fegefeuer hat, aber dafür nur aus Verdammten besteht und jenen, die auf Erden in der Armee Satans gegen jene von Christus kämpfen.

Die Kirche hat neben den Engeln und Heiligen des Paradieses auch eine Legion von Seelen im Fegefeuer aufzubieten, die in diesem Kampf eine entscheidende Rolle spielen können. Sie können nichts für sich selbst tun, aber sie können viel für uns tun durch ihr Fürbittgebet.

Der heilige Augustinus erklärt, daß die Verstorbenen die menschlichen Dinge nicht in dem Moment kennen, in dem sie geschehen, aber die gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen Ereignisse kennen können durch göttliche Offenbarung, oder durch die Engel oder durch Seelen, die sie erreichen, nachdem sie diese Welt verlassen haben. Die Verstorbenen nehmen daher an den irdischen Ereignissen teil, nicht aufgrund ihrer Natur, aber aufgrund der göttlichen Macht. Gott ist der Weg, über den wir die Toten erreichen können und die Toten uns [Msgr. Antonio Piolanti, Il mistero della comunione dei santi (Das Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen), Desclée, Rom 1957, S. 317–318).

Der heilige Gregor der Große, dem wir den providentiellen Brauch der Gregorianischen Messen verdanken, schildert in seinen Dialogen Visionen und Episoden, in denen die Seelen der Verstorbenen um Hilfe baten und macht deutlich, wie sie durch die Fürbitten Erleichterung finden und von ihren Strafen befreit werden. Der heilige Thomas von Aquin untersucht in den 14 Artikeln der 71. Frage des Nachtrags zur Summa Theologiae die gesamte Frage der Suffragien. Nach dem Beweis ihrer Existenz durch die Heilige Schrift, die Väter, den Brauch der Kirche und die Argumente der Vernunft erklärt er, daß unter denen, die in die Ewigkeit eingegangen sind, nur den Seelen im Fegefeuer durch unsere Unterstützung geholfen werden kann. Diese Seelen, die das letzte Ziel noch nicht erreicht haben, sind in gewissem Sinne noch auf dem Weg und nicht am Ende angelangt. Die Lebenden können ihnen helfen, ihre Strafen zu verbüßen und auf diese Weise ihre Schulden bei der göttlichen Gerechtigkeit zu begleichen. Die Heilige Messe, Almosen, Gebete und Ablässe sind die praktischen Mittel, um den leidenden Seelen zu helfen.

Die Seelen des Fegefeuers sind Seelen, die im Stand der Gnade bestätigt wurden. Sie sind sich ihrer ewigen Erlösung sicher und wissen das auch. Sie leiden, nehmen ihr Leiden aber freudig an.

„Die Seele leidet, wie die Heiligen auf Erden gelitten haben, in völliger Einheit mit dem göttlichen Willen, und wir können sagen, mit ganzer Freude über jede Sünde, die durch das schmerzhafte Feuer gereinigt wird, und die ihre Liebe und Sehnsucht nach Gott erhöht, unendliche Liebe“ [Don Dolindo Ruotolo, Chi morrà vedrà. . . . Il Purgatorio e il Paradiso (Wer stirbt, wird sehen… Das Fegefeuer und das Paradies), Casa Mariana, Frigento 2006, S. 42).
Das Fegefeuer ist nicht nur ein „Zustand“, sondern, wie auch die Hölle, ein „Ort“. Das Feuer, das die Seelen quält, ist kein allegorisches Feuer, sondern ein echtes. Wer die Existenz des Fegefeuers leugnet, wie schon der heilige Thomas von Aquin gegen die Ketzer seiner Zeit bekräftigte, „stellt sich gegen die Autorität der Kirche und verfällt der Häresie“ (IV Sent. , d. 21, q. 1, a. 1, sol. 1).

Seit ältester Zeit war bei den Gläubigen die Überzeugung von der Fürbitte der Seelen im Fegefeuer immer lebendig. 1891 wurde in Santa Sabina in Rom eine Inschrift gefunden, die besagt: „Atticus, ruhe in Frieden, deiner Erlösung gewiß, und bete mit Nachdruck wegen unserer Sünden“. Eine andere Inschrift auf dem Friedhof von San Callisto besagt: „Ianuaria, erfreue dich der Kühle und bete für uns“.

Von Anfang an betete die Kirche für die Befreiung der Toten aus den Qualen des Fegefeuers. Deshalb heißt es im Katechismus des heiligen Pius X. , daß die Heiligen unsere Gebete empfangen, die Verstorbenen unsere Hilfe, und alle erwidern es durch ihre Fürsprache vor Gott (Nr. 123).

Jedes Mal, wenn wir uns den Gebeten von jemandem empfehlen oder sie unseres Gebets versichern, bekräftigen wir eine große Glaubenswahrheit: die der Gemeinschaft der Heiligen. Unsere übernatürlichen Güter können an andere weitergegeben werden, so wie Gottes Güter an uns weitergegeben werden. Deshalb ist es wichtig, sich auch des Schutzes und der Hilfe der Seelen im Fegefeuer zu versichern. Sie sind uns dankbar, und ihre unaufhörlichen Gebete bringen uns immense Wohltaten, sowohl für das geistliche als auch für das leibliche Leben.

Wir müssen nicht nur für jene beten, die uns nahe und lieb waren, sondern auch für jene, von denen wir mißverstanden, verleumdet oder bekämpft wurden, denn wenn sie in der Gnade Gottes gestorben sind, leben sie heute in der göttlichen Liebe. Wenn sie uns gestern negativ beeinflußt haben, lieben sie uns heute, und wir müssen sie lieben, denn das Gesetz des mystischen Leibes ist die Liebe. Leo XIII. schreibt in der Enzyklika Mirae Caritatis vom 28. Mai 1902:

„Die Gemeinschaft der Heiligen ist ja bekanntlich nichts anderes als die gegenseitige Mitteilung der Gnadengaben, Sühnungen, Gebete, guten Werke, durch welche die im Glauben zum himmlischen Vaterlande schon erhobenen, die im Reinigungsfeuer zurückgehaltenen und die noch auf Erden pilgernden Gläubigen zu einem großen Reiche zusammengeschlossen sind, dessen Haupt Christus, dessen Bindungskraft die Liebe ist.“

Die Kirche ist die Vereinigung mehrerer Menschen, die durch die gleiche Liebe miteinander verbunden sind. Es ist die Liebe, die christliche Liebe, die eine Beziehung der Solidarität und der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen uns und unseren Brüdern schafft, die einen einzigen mystischen Leib unter dem einen Haupt Jesus Christus bildet.

Das Band der Liebe wird nicht durch den Tod gebrochen und vereint heute die Verteidiger der guten Sache, die sich der Armee des Bösen widersetzen, die sogar an Heiliger Stätte eingedrungen ist. Zusammen mit den Chören der Engel rufen wir die Hilfe von Seelen an, die noch nicht das Paradies erreicht haben, aber die immense Gnade des endgültigen Ausharrens hatten und trotz ihrer derzeitigen Qualen der ewigen Erlösung gewiß sind. Wir ersuchen sie um ihre Fürbitte, damit der Herr auch uns die Gnade des Ausharrens im Kampf und besonders im letzten Augenblick unseres Lebens schenken möge.

Der heilige Augustinus schließt nicht einmal die Möglichkeit aus, daß einige der Toten unter die Lebenden geschickt werden (De cura pro mortuis gerenda, 15, 18; PL 40, 605–606). Königin Claudia von Frankreich, die Ehefrau von Franz I., erschien nach ihrem Tod im Alter von nur 24 Jahren am 20. Juli 1524 mehr als einmal der Seligen Katharina von Racconigi und kündigte ihr die französische Invasion in Italien, die Niederlage und Gefangennahme ihres Mannes und schließlich ihre Befreiung durch das Gebet der Heiligen an [Pier Giacinto Gallizia, Vita della ven. suor Caterina de’Mattei, detta la B. Catterina da Racconigi (Leben der verehrten Schwester Caterina de Mattei genannt die selige Catterina da Racconigi), Mairese, Turin 1717, S. 101}. Das ist kein Einzelfall. Gott kann einer Seele, die im Himmel triumphiert oder im Fegefeuer leidet, erlauben, sich auf Erden sichtbar zu machen, um die Kinder der streitenden Kirche zu ermutigen. Es ist möglich, daß dies auch bei den zukünftigen Prüfungen der Fall sein wird.

Die noch nicht gereinigten Seelen vieler, die die Kirche in theologischen Disputen oder auf den Schlachtfeldern der Kreuzzüge verteidigt haben, unterstützen heute mit ihrem Leiden und ihren Gebeten jene, die den Kampf gegen den alten Feind fortsetzen. Acies ordinata ist ein Aufgebot von streitenden, leidenden und triumphierenden Seelen, vereint, um die Ehre der Kirche, die Herrlichkeit Gottes und das Wohl der Seelen zu bekräftigen. Die Rekrutierung ist eröffnet.