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„Rußland wird katholisch werden“

„Rußland wird katholisch.“ Diese Inschrift wurde am Grab von Pater Gregor Augustin Maria Schuwalow auf dem Friedhof von Montparnasse in Paris angebracht. Für dieses Anliegen hat sich der russische Barnabit aufgeopfert.

Graf Gregor Petrowitsch Schuwalow wurde am 25. Oktober 1804 in Sankt Petersburg als Sohn einer alten Adelsfamilie geboren. Ein Onkel, der wie sein Vater General des Zaren war, erhielt den Auftrag, den besiegten Napoleon auf die Insel Elba zu bringen. Ein anderer Vorfahre ist der Gründer der Lomonossow-Universität in Moskau. Gregor studierte von 1808-1817 am Jesuiten-Kolleg in Sankt Petersburg.

Als die Jesuiten aus Rußland ausgewiesen wurden, setzte er seine Studien zunächst in der Schweiz und dann an der Universität Pisa fort, wo er auch die italienische Sprache zur Perfektion erlernte. Beeinflußt war er jedoch vom Materialismus und dem Nihilismus, die damals in den liberalen Kreisen vorherrschend waren, in denen er verkehrte. Von Zar Alexander I. zum Offizier der Husarengarde ernannt, kehrte er nach Rußland zurück.

Im Alter von 20 Jahren heiratete er 1824 Prinzessin Sophia Saltikow, die Tochter des Fürsten Alexander Saltikow, der Mitglied des Kronrats und des Rats für Auswärtige Angelegenheiten war. Sophia war eine tief religiöse Frau, orthodox, aber „katholisch in der Seele und im Herzen“.  Erst 34 Jahre alt starb sie 1841 in Venedig an Tuberkulose.

Schuwalow ließ sie in Rußland auf einem Familiengut nahe Sankt Petersburg begraben. Sie hatte ihm vier Kinder geschenkt, zwei Söhne und zwei Töchter, von denen Alexander und Natalia bereits im Kleinkindalter starben. Sein Sohn Peter wurde Mitglied des Rats für Innere Angelegenheiten und heiratete die Prinzessin Maria Gagarin. Helena heiratete Alexander Skariatin, einen damals bekannten Sammler alter Musik und Sohn des russischen Generalmajors Gregor Skariatin.

Der Tod von Sophia veranlaßte Schuwalow, sich in das Studium der Religion zu vertiefen. Eines Tages stieß er dabei auf die „Bekenntnisse“ des heiligen Augustinus, die für ihn zur Erleuchtung wurden.

„Ich las ständig darin, schrieb ganze Seiten ab, verfaßte lange Auszüge. Seine Philosophie erfüllte mich mit guten Wünschen und Liebe. Mit welch begeisternder Genugtuung fand ich in diesem großen Mann Gefühle und Gedanken, die bis dahin in der Seele schlummerten, und die diese Lektüre wachrief.“

Nach seiner Übersiedlung nach Paris verkehrte Graf Schuwalow in einem Kreis russischer Adeliger, die vor allem dank Graf Joseph de Maistre (1753-1821) zur katholischen Kirche konvertiert waren, der von 1802-1817 Botschafter des Königs von Sardinien in Sankt Petersburg war.

Zu diesem Kreis gehörten unter anderem die Mystikerin Sophie Swetschine (1782-1857), die nach 1815 wegen ihrer Konversion zur katholischen Kirche Rußland verlassen mußte, Fürst Iwan Gagarin (1814-1882), dessen Familie eine Seitenlinie der Rurikiden, der warägischen Gründerdynastie Rußlands ist, und Fürst Theodor Galitzin (1805-1848), dessen litauischstämmige Familie in direkter Linie vom Stammvater der Jagiellonen abstammt, und der als Gesandtschaft-Attaché dem Diplomatischen Corps des Zarenreiches angehörte.

Galitzin, der die tiefe geistliche Krise des Freundes erkannte, half ihm, die Wahrheit wiederzufinden, indem er ihm empfahl, Joseph de Maistres Du Pape zu lesen und darüber nachzudenken. Schuwalow folgte dem Rat und verstand dadurch, daß das erste Wesensmerkmal der Kirche die Einheit ist, und daß dies eine höchste Autorität verlangt, die keine andere sein kann als der römische Papst.

„Herr, Du sagst: meine Kirche und nicht meine Kirchen; zudem muß die Kirche die Wahrheit bewahren, aber die Wahrheit ist nur eine, daher kann auch die Kirche nur eine sein […]. Als ich erkannte, daß es nur eine wahre Kirche geben kann, habe ich auch verstanden, daß diese Kirche universal sein muß, eben katholisch.“

Schuwalow begab sich jeden Abend nach Notre Dame, um die Predigten von Pater François-Xavier de la Croix de Ravignan (1795-1858), einem gelehrten Jesuiten, zu hören, der zu seinem geistlichen Führer werden sollte. Am 6. Januar 1843, dem Fest der Erscheinung des Herrn, schwor Schuwalow der Orthodoxie ab und legte in der Chapelle des Oiseaux sein Bekenntnis zum katholischen Glauben ab.

Er wollte sich jedoch noch weit mehr der katholischen Sache hingeben. Mit Hilfe eines jungen italienischen Liberalen, Emilio Dandolo, mit dem er zufällig im Zug Bekanntschaft gemacht hatte, lernte er Pater Alessandro Piantoni, den Rektor des Longone-Kollegs der Barnabiten in Mailand kennen. Piantoni nahm Schuwalow 1856 mit dem Namen Augustin Maria in das Barnabiten-Noviziat in Monza auf.

In diesem vom heiligen Antonio Maria Zaccaria 1530 gegründeten Orden fand Schuwalow jenes Klima der spirituellen Tiefe, das er gesucht hatte. Er schrieb Pater Ravignan:

„Ich meine, im Paradies zu sein. Meine Väter sind wie Heilige, die Novizen wie Engel“.

Unter seinen jungen Mitbrüdern war Cesare Tondini de‘ Quarenghi (1839-1907), der wie kein anderer sich des geistlichen Erbes Schuwalows angenommen hat. Am 19. September 1857 wurde Augustin Maria Schuwalow in Mailand von Msgr. Angelo Ramazzotti, dem späteren Patriarchen von Venedig, zum Priester geweiht.

Am Tag der Priesterweihe, bei der Elevation des Kelches, richtete Schuwalow folgende Bitte an Gott:

„Mein Gott, mach mich würdig, mein Leben und mein Blut in Vereinigung mit dem Deinen für die Verherrlichung der seligsten unbefleckten Jungfrau durch die Bekehrung Rußlands hinzugeben.“

Das war der Traum seines Lebens, den er der Unbefleckten anvertraute, deren Dogma Papst Pius IX. am 8. Dezember 1858 verkünden sollte. Vom Papst in Audienz empfangen, bekundete ihm Pater Schuwalow den Wunsch, sein Leben der Rückkehr der Schismatiker zur Kirche von Rom widmen zu wollen. In der denkwürdigen Begegnung

„sprach Pius IX. mit mir über Rußland mit einem Glauben, mit einer Hoffnung, die durch die Worte Jesu gestützt werden, und mit einer brennenden Liebe, die ihn leitete, und mit der er der vom rechten Weg abgekommenen Brüder als arme Waisen gedachte, zu denen sie sich selbst gemacht haben. Diese seine Worte entflammten mein Herz.“

Pater Schuwalow erklärte sich bereit, sein Leben für die Bekehrung Rußland zu opfern.

„Nun gut, sagte der Heilige Vater, wiederholt immer vor dem Kruzifix dreimal täglich diese Bekundung. Seid gewiß, Euer Wille wird sich erfüllen.“

Zum Feld seines Apostolats und seiner Aufopferung wurde Paris, wo sich starke russische und orientalische Gemeinschaften befanden. Unermüdlich war sein Einsatz, mit dem er unzählige Seelen gewinnen konnte. Er gründete die Gebetsvereinigung für den Triumph der seligsten unbefleckten Jungfrau durch die Bekehrung der schismatischen Ostchristen und besonders der Russen zum katholischen Glauben, die kurz einfach Werk von Pater Schuwalow genannt wurde.

Pius IX. approbierte die Vereinigung 1862 mit einem Breve. Pater Cesare Tondini wurde zu ihrem unermüdlichen Verbreiter. Pater Schuwalow sollte die Anerkennung nicht mehr erleben. Er war am 2. April 1859 in Paris gestorben. Er hatte gerade seine Autobiographie Ma conversion et ma vocation (Paris 1859) fertiggestellt. Das Buch erlebte im 19.

Jahrhundert zahlreiche Auflagen und wurde in andere Sprachen übersetzt. [1862 erschienen unter dem Titel „Meine Bekehrung und mein Beruf“ gleich zwei eigenständige deutsche Übersetzungen, eine erschien im Ferdinand Schöningh Verlag in Paderborn, die andere im Felizian Rauch Verlag in Innsbruck, Anm. d. Übersetzers] In Italien erfolgte 2004 eine Neuübersetzung und Neuausgabe durch die Barnabitenpatres Enrico M. Sironi und Franco M. Ghilardotti (Grafiche Dehoniane, Bologna), der die Zitate entnommen sind.

Pater Ghilardotti bemühte sich, die sterblichen Überreste von Pater Schuwalow nach Italien zu überführen, wo sie heute in der Kirche San Paolo Maggiore in Bologna ruhen, die 1611 von den Barnabiten errichtet wurde. Zu Füßen eines Altars, der von einer Kopie der Heiligen Dreifaltigkeit von Andrei Rubljow, des größten russischen Ikonenmalers, überragt wird, harrt Pater Augustin Maria Schuwalow der Auferstehung.

In seiner Autobiographie schrieb der russische Barnabit:

„Wenn die Häresie droht, wenn der Glauben verdunstet, wenn die Sitten verfallen und die Völker am Rand des Abgrunds einschlafen, öffnet Gott, der alles mit Maß, Zahl und Gewicht ordnet, die Schätze Seiner Gnade, um sie wieder aufzuwecken. Einmal erweckt er in einem finsteren Dorf einen verborgenen Heiligen, dessen machtvolles Gebet Seinen zur Bestrafung bereiten Arm zurückhält; einmal läßt er auf dem Antlitz der Erde ein strahlendes Licht erscheinen, einen Moses, einen Gregor VII., einen Bernhard. Einmal inspiriert er mit Hilfe eines wunderbaren Ereignisses, ob vorübergehend oder dauerhaft, den Gedanken zu einer Wallfahrt oder zu einer anderen Form der Verehrung, die – vielleicht neu in der Form, aber immer alt in ihrem Wesen – ein bewegender und heilsamer Kult ist. Das war auch der Ursprung der Verehrung des heiligen Herzens Jesu. Dieser Kult entstand inmitten von tausend Widersprüchen in einem kleinen Kloster im Ort Paray-le-Monial.“

Nicht anders, so könnten wir hinzufügen, ist der Ursprung der Verehrung des Unbefleckten Herzen Mariens, deren Verbreitung die Gottesmutter vor 100 Jahren in einem kleinen Dorf in Portugal gewünscht hat. In Fatima kündigte die Gottesmutter an, daß das große Ideal von Pater Schuwalow Wirklichkeit wird: die Bekehrung Rußlands zum katholischen Glauben. Dabei handelt es sich um ein ganz außergewöhnliches Ereignis, das unserer Zukunft angehört, und das in der Welt die geheimnisvollen Worte der Heiligen Schrift erklingen läßt, die Pater Schuwalow auf seine eigene Bekehrung bezog:

„Surge qui dormis, surge a mortuis et iluminabit te Christus.“

„Wach auf, du Schläfer, steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein“ (Eph 5,14).

 

Roberto de Mattei

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