Römische „Pasquinaten“ gegen Papst Franziskus – „Barmherzigkeit, wieviel Gewalt wird in deinem Namen ausgeübt“ - CR - Agenzia di informazione settimanaleCR – Agenzia di informazione settimanale
Stampa la Notizia

Römische „Pasquinaten“ gegen Papst Franziskus – „Barmherzigkeit, wieviel Gewalt wird in deinem Namen ausgeübt“

In der Nacht von Freitag auf Samstag hat eine unbekannte Hand die Straßen rund um den Vatikan mit einem Plakat tapeziert, auf dem unter dem Bild eines finster blickenden und schmollenden Papstes Bergoglio1 zu lesen ist:

„A France’, hai commissariato Congregazioni, rimosso sacerdoti, decapitato l’Ordine di Malta e i Francescani dell’Immacolata, ignorato Cardinali… ma n’do sta la tua misericordia?“

„Franziskus, Du hast Orden unter kommissarische Verwaltung gestellt, Priester entfernt, den Malteserorden und die Franziskaner der Immakulata geköpft, Kardinäle mißachtet … aber wo ist denn Deine Barmherzigkeit?“

Der stechende Protest in römischem Dialekt fügt sich in das ein, was in Rom als Tradition der „Pasquinate“2 bekannt ist. Pasquino ist der Rest einer antiken Statuengruppe, an der nächtens Schilder und Plakate angebracht wurden, auf denen Machtmißbrauch angeprangert oder Schwächen von Päpsten und Kardinälen bloßgestellt wurden. Als Papst Clemens VII. (1534) starb, zum Beispiel, tauchte ein Bild seines Arztes auf, der, anstatt den Patienten zu heilen, ihn ins Jenseits befördert hatte, mit der Aufschrift, die Anerkennung zum Ausdruck brachte: „Ecce qui tollit peccata mundi (Siehe, der hinweg nimmt die Sünde der Welt). Gestern wie heute haben die Pasquinate immer eine im Volk und auch im römischen Klerus verbreitete Stimmung wiedergegeben.

In unserem Fall endete in diesen Tagen die Angelegenheit des Malteserordens mit der Entlassung des Großmeisters, der Rehabilitierung Albrecht von Boeselagers, eines Mannes des Vatikans, der einer moralischen Abweichung beschuldigt ist, und der Übertragung von kommissarischen Vollmachten an Msgr. Angelo Becciu.3 Und alles geschah unter vollständiger Mißachtung der Souveränität des Ordens, der dem Heiligen Stuhl nur unterstellt ist, was das religiöse Leben der Profeßritter betrifft, aber völlig unabhängig in seinem inneren und internationalen Leben ist – oder zumindest sein sollte.

Dieselbe Mißachtung des Rechts scheint auch auf das italienische Zivilrecht ausgeweitet zu werden. Ein von der Ordenskongregation mit Zustimmung des Papstes erlassenes Dekret zwingt Pater Stefano Maria Manelli, den Gründer und Generaloberen der Franziskaner der Immakulata, „innerhalb von 15 Tagen nach Zustellung des Dekrets das von den zivilen Vereinigungen verwaltete ökonomische Vermögen und jede andere Summe in seiner Verfügung in die völlige Verfügungsgewalt der einzelnen Institute zurückzuführen“. Mit anderen Worten: Er soll in der gesetzten Frist Vermögenswerte an den männlichen und den weiblichen Zweig des Ordens übergeben4, über die Pater Manelli – wie vom Berufungsgericht in Avellino in einem rechtskräftigen Urteil festgestellt wurde –  gar keine Verfügungsgewalt hat, weil sie Vereinigungen gehören, die vom italienischen Staat legal anerkannt sind.

Und als würde das nicht genügen, erfuhr Msgr. Ramon C. Argüelles, der Erzbischof von Lipa auf den Philippinen, von seiner Amtsenthebung aus einer Presseerklärung des vatikanischen Presseamtes. Die Gründe für die Absetzung sind unbekannt. Msgr. Argüelles hatte jedoch eine Vereinigung anerkannt, in der sich eine Gruppe von ehemaligen Seminaristen der Franziskaner der Immakulata sammelte, die ihren kommissarisch verwalteten Orden verlassen haben, um in voller Freiheit und Unabhängigkeit studieren und sich auf das Priestertum vorbereiten zu können.

„Freiheit , Freiheit, wie viele Verbrechen werden in deinem Namen begangen“,

beklagte Madame Roland, eines der bekanntesten Opfer der Französischen Revolution.

„Barmherzigkeit, Barmherzigkeit, wieviel Gewalt wird in deinem Namen ausgeübt“,

könnten die Opfer der päpstlichen Barmherzigkeit wiederholen.

Roberto de Mattei

www.katholisches.info