„Gute“ Freimaurerei, „schlechte“ Freimaurerei?

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(P. Paolo M. Siano, Katholisches – 6 September 2021) Im Juni 2021 veröffentlichte der Verlag Chiarelettere aus Mailand das 751 Seiten starke Buch „Potere massonico“, „Die Macht der Freimaurer. Die ‚Bruderschaft‘, die in Italien kommandiert: Politik, Finanz, Industrie, Massenmedien, Justiz, organisiertes Verbrechen“, von Ferruccio Pinotti.

Bereits im Vorwort (S. IX–XI) von Aldo Cazzullo (Journalist des Corriere della Sera wie Pinotti) taucht der Mythos auf, wonach es eine gute Freimaurerei und eine schlechte Freimaurerei gibt … Unter die berühmten italienischen Freimaurer (die „guten“, wie ich annehme) zählt Cazzullo auch Giosué Carducci, Giuseppe Garibaldi und Gabriele D’Annunzio (vgl. S. IX). Darüber hinaus ist er der Ansicht, daß die Freimaurerzugehörigkeit von Giuseppe Mazzini inzwischen weitgehend gesichert ist (vgl. S. IX). Sicher Freimaurer waren Männer des (antiklerikalen und antipäpstlichen) Risorgimento wie Aurelio Saffi, Nino Bixio, Camillo Benso Graf von Cavour (vgl. S. IX). Freimaurer waren auch Philosophen wie Fichte, John Locke, Proudhon, Voltaire… (vgl. S. IX).

Nachdem er die „guten“ Freimaurer aufgelistet hat, fragt sich Cazzullo, warum aber die Freimaurerei mit „starken Mächten“ und organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht wird … (vgl. S. Xf)

In Italien gibt es drei große und führende Freimaurerobödienzen: den Großorient von Italien (GOI), die Großloge von Italien (GLDI) und die Reguläre Großloge der Alten, Freien und Angenommenen Maurer von Italien (GLRI). Aber es gibt auch über 200 irreguläre oder unechte Freimaurerobödienzen, die verdeckte Logen hervorbringen, die oft mit der Kriminalität verschworen oder von dieser infiltriert sind. Rechnet man belastbare Zahlen zusammen, gibt es in Italien über 40.000 Freimaurer (vgl. S. X).

Die Macht der Freimaurer

Während vor einigen Jahren einige katholische Soziologen und einige Freimaurer behaupteten, die Freimaurerei sei schwach und zähle nicht viel, räumt Cazzullo anderes ein:

„Die ‚Brüder Italiens’1 erfreuen sich bester Gesundheit. Und ihr Machtnetzwerk ist stärker denn je. Das Problem ist, wenn die Logen zu Geschäftszirkeln werden, zu Instrumenten der Infiltration der Mafia in die Realwirtschaft und der Geldwäsche, zu Zentren für politisch-mafiöse Gegengeschäfte, zu Seilschaften, die das Schicksal von Richtern, Stellenausschreibungen an Universitäten, politische Karrieren und die Vergabe hoher militärischer Ränge und institutioneller Positionen bestimmen“ (S. XI).

Bevor ich auf Pinottis Text eingehe, mache ich einige Bemerkungen zu Cazzullos Vorwort. Während man aus „säkularer“ oder rechtlicher (zivil- und strafrechtlicher) Sicht versucht, zwischen einer „guten“ und einer „schlechten“ Freimaurerei zu unterscheiden, ist aus der Sicht des katholischen Glaubens auch die „gute“ Freimaurerei mit der Kirche unvereinbar. Abgesehen davon lassen einige von Cazzulo aufgelistete „gute“ Freimaurer sehr zu wünschen übrig.

  • Giosué Carducci, Literaturnobelpreisträger 1906, schrieb 1863 eine „Hymne an Satan“, die 1869 im Informationsblatt des Großorients von Italien (GOI) veröffentlicht wurde, der schon damals eine laizistische und esoterische Freimaurerei war.
  • Giuseppe Garibaldi, Großmeister des Großorients, 33. Grad des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus (AASR), Hochgrad des Memphis-Misraim-Ritus (die Freimaurerei, die sich als Hüterin der Magie und der Esoterik des alten Ägypten versteht), war auch im französischen Spiritismus aktiv (den Spiritisten Garibaldi erwähnt Massimo Introvigne).
  • Im Buch „Mazzini. Freimaurerei, Weltrevolution“, Regensburg 1901, stellt der Jesuit P. Hermann Gruber Mazzini und Garibaldi als „führenden Kopf“ bzw. „militärischen Arm“ der antikatholischen revolutionären Partei dar, die 1870 zur Einnahme Roms führte. Anführer des italienischen Alten und Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurerei zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert wie Lemmi, Nathan, Tamaio, Riboli usw. rühmten sich, Schüler von Mazzini und Garibaldi zu sein (vgl. S. 4f).
  • In der Zeitschrift Massoneria Oggi Nr. 1/1999 des Großorients zeigt Attilio Mazza in seinem Artikel „D’Annunzio esoterico“ (Esoterischer D’Annunzio), daß der berühmte Dichter, Militär und Freimaurer des 33. Grades des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus von Piazza del Gesù2 Gabriele D’Annunzio Magie, Okkultismus, Talismane (er besaß einen in Form eines gehörnten züngelnden Teufels) und Alchimie liebte (vgl. S. 17–24).

Was wäre erst über die Philosophie von Locke (Empirismus), Proudhon (Atheismus und Sozialismus), Voltaire (Aufklärung und Deismus) und Fichte (Idealismus) zu sagen, die der Harmonie zwischen katholischem Glauben und Vernunft feindlich gegenübersteht?

Werfen wir also einen Blick in das Buch von Ferruccio Pinotti.

Pinotti behauptet, „die großen italienischen Zeitungen waren immer und sind voller Freimaurer“ (S. 6). Einige Beispiele. Der Corriere della Sera wurde vom Freimaurer Eugenio Torelli Viollier gegründet. Freimaurer ist Carlo De Benedetti, historischer Herausgeber der Repubblica-Espresso-Gruppe (seit 2016 GEDI Group). Freimaurer der Großloge von Italien war der Ölkonzernchef und Verleger Attilio Monti, Gründer der Monrif-Gruppe, der die Marke QN (mit den Tageszeitungen Quotidiano NazionaleResto del CarlinoLa NazioneIl GiornoIl Telegrafo) besitzt. Freimaurer war auch Eugenio Cefis, Vorstandvorsitzender von ENI, der nach Belieben über die Tageszeitung Il Giorno verfügen konnte (vgl. S. 6). Freimaurer war der Industrielle Gaetano Semenza (1826–1882), der Gründer der führenden Wirtschaftstageszeitung Il Sole 24 Ore3 und Freund von Garibaldi und Mazzini. Freimaurer ist auch Silvio Berlusconi, der drei große Privatfernsehsender, die Tageszeitung Il Giornale und die Verlagsgruppe Mondadori kontrolliert, in die der Verlag Rizzoli eingeflossen ist (vgl. S. 7).

Pinotti bekräftigt, daß die Freimaurerei „Italien von Anfang an kommandierte“ (S. 8)4. „Sie beherrscht stillschweigend Politik, Wirtschaft, Finanz und die Geschäfte“ (S. 8).

„Die Freimaurerei ist tatsächlich die ’starke Macht‘ schlechthin, die seit mehr als drei Jahrhunderten die hohen Staatsämter und die Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft miteinander verbindet, das unsichtbare Bindemittel, das scheinbar weit entfernte und sogar gegensätzliche Gestalten vereint, das Element, das für die Herrschaft über eine der begehrtesten Realitäten der Welt sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene ausschlaggebend ist: ein Land, das – unabhängig von politischen Ansichten – die Wiege der westlichen europäischen Zivilisation bleibt; der historische Sitz der ersten Weltreligion, des Katholizismus; der zweitgrößte europäische und weltweit siebtgrößte Produzent; der Ort, der Genies wie Enrico Fermi (ebenfalls Freimaurer) und Nobelpreisträger wie Giosué Carducci und Salvatore Quasimodo (auch „Eingeweihte“) hervorbrachte; der Ort, an dem 65 Prozent der Kunstschätze konzentriert sind, die das Weltkulturerbe bilden; ein zentraler Knotenpunkt in der Europäischen Union und im Mittelmeerraum“ (S. 8f).

Pinotti fährt fort: 

„Die Freimaurerei hat sich immer um diese gigantischen Interessen herum bewegt, eine Realität von enormer Komplexität, aber auch eines der stabilsten Machtnetzwerke – vom frühen 18. Jahrhundert bis heute – bei der Gestaltung des Gleichgewichts der Mächte und der Schaffung von Allianzen, manchmal sogar kriminellen, mit anderen Mächten: von den Geheimdiensten bis zur Mafia und dem Terrorismus, vom hohen Bankwesen bis zu wilden Finanzspekulationen […]“ (S. 9).

Pinotti unterscheidet „eine doppelte Ebene“ (S. 9) der Freimaurerei: „Es gibt die offizielle Ebene, voll von Symbolen und Verweisen auf Persönlichkeiten von hohem Rang; eine Welt, die reich an philosophischen, sozialen, humanitären und internationalistischen Werten ist, deren Beitrag zu Themen wie Freiheit, Gleichheit, religiöser Toleranz, Widerstand gegen politischen und religiösen Dogmatismus schwer zu bestreiten ist“ (S. 9f).

Er nennt als „hochrangige“ Freimaurer Carducci, Garibaldi, Mazzini (S. 9, Fußnote 4).

Pinotti berichtet über ein Interview, das ihm der damalige Senator auf Lebenszeit Francesco Cossiga (1928–2010), von 1985–1992 italienischer Staatspräsident, gegeben hat, der stets ein großer Bewunderer und Verteidiger der Freimaurerei war. Pinotti fragte Cossiga nach der Loge P25. Cossiga antwortete: 

„Die wahre Geschichte der P2 ist, daß sie eine Schöpfung der Amerikaner war. […] die P2 bestand nur aus Ultra-Amerikanern, aus Persönlichkeiten, die der amerikanischen Welt sehr nahe standen“ (S. 118). Die P2 war, so Cossiga, eine „philoamerikanische und transatlantische“ Operation (S. 118).

Ich komme zum fünften und letzten Teil des Buches, in dem Pinotti „nach der Rekonstruktion des langen roten Fadens der freimaurerischen Macht in den italienischen Institutionen und in der Politik“ (S. 581) eine „Reise“ in die drei wichtigsten italienischen Freimaurerobödienzen unternimmt: den Großorient von Italien (GOI) von Großmeister Stefano Bisi, die Großloge von Italien im Palazzo Vitelleschi (GLDI) von Großmeister Luciano Romoli (es handelt sich um eine gemischte Großloge, d. h. auch mit Frauen) und die Reguläre Großloge von Italien von Großmeister Fabio Venzi (GRLI).

Pinotti stellt fest, daß Venzi seit „zwanzig Jahren ununterbrochen Großmeister ist, sozusagen eine Herrschaft auf Lebenszeit“ (S. 581), und wiederholt ausdrücklich, daß Venzis Amtszeit als Großmeister, von 2001 bis heute, „eine sehr lange Dauer“ hat (S. 665).

Fabio Venzi ist in der Tat der einzige Großmeister in Italien, der sich so lange gehalten hat, aber das überrascht nicht, wenn man bedenkt, daß die Reguläre Großloge (GRLI) strikt pro-englisch ist und in Gemeinschaft mit der Vereinigten Großloge von England (UGLE) steht, deren Großmeister seit 1967 Seine Königliche Hoheit Edward George Nicholas Paul Patrick, Herzog von Kent, (geboren 1935) ist.

Großmeister Bisi (Großorient) will den Dialog mit der katholischen Kirche und spricht von „gemeinsamen Werten“ und „Versöhnung zwischen der Kirche und der Freimaurerei“ (S. 589). Bisi bestreitet, daß die Freimaurerei „ein Feind irgendeiner Kirche“ sei und hofft, daß (seine) Freimaurerei eines Tages mit dem Papst den Durchbruch italienischer Truppen in der Nähe des römischen Stadttors Porta Pia (1870), d. h. den Untergang des Kirchenstaates, feiern könne… (vgl. S. 590, Fußnote 7).

Pinotti berichtet auch kritische Aussagen ehemaliger Freimaurer des Großorients: 1) Amerigo Minnicelli (S. 594–614), Rechtsanwalt, 18. Grad des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, der aus dem Großorient ausgeschlossen wurde, weil er die Unterwanderung des kalabrischen Großorients durch die ’ndrangheta6 und die „ ‚mafiösen Dynamiken‘, die sich auch auf nationaler Ebene in den Abstimmungsmodalitäten innerhalb des Großorients etabliert haben“, angeprangert hatte (S. 594). Minnicelli hatte eine eigene Website, www.goiseven, die dann geschlossen wurde; 2) Rechtsanwalt Francesco Guida, der zum Traditionellen Italienischen Freimaurerorden (OMTI) wechselte (S. 615–626).

Sehr interessant sind die folgenden Auszüge aus Pinottis Interview mit Alessandro Meluzzi (S. 627–633), „schlafender Freimaurer“ (S. 631), ehemaliges Mitglied des Großorients, Psychiater. Pinotti stellt darin folgende Frage:

„Die Freimaurerei ist auf ihre Weise religiös. Sie gesteht die Existenz eines großen Baumeisters des Universums ein. Für die Freimaurer ist ein Teil dieser Realität Luzifer, der auch in einer Hymne des Freimaurers Giosué Carducci besungen wird. Was halten Sie von den Vorwürfen des Antiklerikalismus, die traditionell gegen Freimaurerlogen erhoben werden?“ (S. 630).

Hier die Antwort von Meluzzi, der sie faktisch bestätigt…:

„Jede Interpretation ist partiell, da sie individuell ist. Ich kann Ihnen sagen, was die Freimaurerei für mich war, aber meine Sichtweise wird nicht einhellig anerkannt. Ich glaube, es gab einen Moment in der Geschichte, als die Urbanisierung und die Industrialisierung die Göttlichkeit des Menschen auf eine Weise offenlegten, die so blasphemisch war, daß sie an eine höhere Instanz gerichtet werden mußte. Ob das Luzifer ist oder nicht, das muß jeder für sich entscheiden“ (S. 630).

Nochmals Pinotti–Meluzzi: „Wissen Sie von irgendwelchen schwefelhaltigen Unterwanderungen im Vatikan, etwa durch Kardinäle freimaurerischer Überzeugung?“

„In den Freimaurerlogen gibt es viele unverdächtige Menschen. Es gibt jene, die sich das Symbol ans Revers ihres Mantels heften, und jene, die ihre Mitgliedschaft nicht preisgeben wollen. Was die katholische Kirche betrifft, so würde ich mir derzeit mehr Sorgen darüber machen, wer die Fäden der vatikanischen Politik zieht“ (S. 631).

Bemerkenswert ist das der Regulären Großloge von Großmeister Venzi gewidmete Kapitel (S. 653–675), der zwei Zugänge der katholischen Welt zur Freimaurerei sieht. Es gibt laut ihm den „offiziellen“ Ansatz, den der „hohen Hierarchien“, der die Unvereinbarkeit von Kirche und Freimaurerei vom „lehrmäßigen“ Standpunkt aus betrachtet („Deismus“, „Relativismus“, „Gnostizismus“…). Der andere Ansatz, der typisch für die „Mitglieder niedrigeren Ranges“ ist, schreibt der Freimaurerei einen „satanischen“, „ketzerischen“ Charakter zu, der dem „Satanismus oder Luziferismus“ hingegeben ist (vgl. S. 667). In diesem Zusammenhang verweist Venzi auf sein Buch „L’ultima eresia“ („Die letzte Häresie. Kirche und Freimaurerei: Drei Jahrhunderte zwischen Satanismus, Gnosis und Relativismus“), in dem er, laut eigener Überzeugung, die „völlige Haltlosigkeit“ der „relativistischen oder gnostischen Komponenten“ der Freimaurerei nachgewiesen habe (vgl. S. 667f).

Ich hingegen erlaube mir, die Unvereinbarkeit zwischen Kirche und Freimaurerei zu bekräftigen, und verweise daher auf einige Artikel von mir.

Zur Regulären Großloge:

Kurze Antwort an einen Großmeister der Freimaurerei

Zum Großorient:

Den Anklopfenden erwarten beim Freimaurerbund Initiation und Gnosis

Zur Großloge:

„Luzifer, der Lichtträger“ – Vortrag der Großloge von Italien (2014)

In dem Buch „Die Macht der Freimaurer“ ist auch die Aussage einer anonymen ehemaligen Freimaurerin der Großloge sehr interessant, die von Ferruccio Pinotti kontaktiert wurde. Er fragt sie unter anderem: „Man tritt in eine Loge ein, um die Möglichkeit zu haben, erweiterte persönliche Beziehungen zu knüpfen, die sich auf materieller Ebene bezahlt machen: Entstehen aber auch andere Arten von Beziehungen?“ (S. 696).

In ihrer Antwort sagt die ehemalige Freimaurerin an einer Stelle: 

„[…] Wenn Sie Beziehungen zwischen Männern und Frauen innerhalb der Loge meinen, kann ich Ihnen ohne Umschweife sagen, daß es ein …! Hin und wieder wurden Partys im Stil von Eyes Wide Shut veranstaltet, die an eine Orgie grenzten, jedenfalls klare Gelegenheiten für sexuelle Begegnungen waren“ (S. 697).

Pinotti bemerkt dazu: „Starke und schneidende Kommentare, auf die sie jedoch eine tiefe Reflexion folgen läßt: Unter diesem Gesichtspunkt verstehe und teile ich in gewisser Hinsicht, warum Frauen aus Freimaurerorden ausgeschlossen sind. Ich kann den Großorient von Italien verstehen, der, in Übereinstimmung mit der Art der von ihm praktizierten Initiation, die Aufnahme von Frauen nicht zuläßt“ (S. 697).

Außerdem, so „Alessia“ (so der fiktive Name dieser ehemalige Freimaurerin), nehmen Freimaurerinnen „schließlich einen ‚männlichen‘ und autoritären Stil an“ (S. 697).

Ich komme zum Schluß. Angenommen, es gibt eine „gute“ Freimaurerei, dann frage ich mich, inwieweit sie in der Lage wäre, die „schlechte“ Freimaurerei einzudämmen und zu besiegen… Vergessen wir nicht die esoterische Theorie von der notwendigen Einheit der Gegensätze… Sephiroth und Qliphoth

Sogar der ehemalige Staatsanwalt, Parlamentsabgeordnete und jetzige Rechtsanwalt Carlo Palermo scheint am Ende eines Videos (Dauer 1 Stunde und 40 Minuten) mit dem Titel „Dalla P2 ai Rosacroce“ („Von P2 zu den Rosenkreuzern. Es gibt eine Freimaurerloge, die für die Weltregierung arbeitet“), scheint den Mythos einer „guten“ Freimaurerei zu teilen: „Wir müssen die Nicht-Bösartigkeit der Freimaurerei begreifen … In dem ganzen Teil, in dem sie nur kulturelle Aktivität und Aktivität der historischen Rekonstruktion des menschlichen Denkens ist […]“.

Ich erlaube mir zu wiederholen, daß die Prinzipien dieser „guten“ Freimaurerei (antidogmatischer Humanismus, religiöser Relativismus, Esoterik, Initiation, Gnosis…) jedenfalls nicht den Wiederaufbau des Menschen und der Gesellschaft nach dem Herzen Christi erlauben.

*Pater Paolo Maria Siano gehört dem Orden der Franziskaner der Immakulata (FFI) an; der promovierte Kirchenhistoriker gilt als einer der besten katholischen Kenner der Freimaurerei, der er mehrere Standardwerke und zahlreiche Aufsätze gewidmet hat. Von Katholisches.info wurde bisher von ihm veröffentlicht:

Übesetzung/Fußnoten: Giuseppe Nardi
Bild: GOI/GLDI/GRLI/MiL (Screenshots)

1 Anspielung auf die ersten Worte der italienischen Nationalhymne, die 1847 vom Freimaurer Goffredo Mameli gedichtet wurde und seit 1947 inoffizielle, seit 2017 offizielle italienische Staatshymne ist. Mameli nahm 1849 an der von Giuseppe Garibaldi angeführten revolutionären Erhebung gegen die päpstliche Regierung in Rom teil. Kurz vor dem Zusammenbruch der „Römischen Republik“ wurde Mameli unabsichtlich von einem Gesinnungsgenossen verletzt. Am 7. Juli 1849 erlag er im Alter von 21 Jahren der Wundinfektion im Pilgerhospiz Santissima Trinità dei Pellegrini, dessen Kirche heute Meßort der Petrusbruderschaft in Rom ist.

2 Die beiden Haupt-Obödienzen der Freimaurerei in Italien werden auch nach ihren historischen Sitzen in Rom benannt: Piazza del Gesù (Großloge) und Palazzo Giustiniani (Großorient). Diese Bezeichnungen wurden beibehalten, obwohl weder die eine noch die andere Obödienz ihren Sitz noch an den genannten Orten hat. Die beiden Richtungen entstanden durch eine Spaltung des Obersten Rats des 33. Grades des Großorients im Jahr 1908. Grund dafür war ein Streit über die Haltung gegenüber den Katholiken, die sich damals gerade in der Italienischen Volkspartei (PPI) organisiert hatten, um erstmals seit der Zerschlagung des Kirchenstaates 187 durch den neuen italienischen Staat wieder am politischen Leben teilzunehmen. Während die Minderheit der Freimaurer, die sich nach der Spaltung in der Großloge organisierte, eine gemäßigtere Linie vertrat, forderte die Mehrheit im Großorient die Fortsetzung einer unerbittlichen Feindschaft. Ironie des Schicksals: An der Piazza del Gesù befindet sich das Generalat des Jesuitenordens. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich dort auch die Parteizentrale der Democrazia Cristiana (DC, Christdemokraten). Palazzo Giustiniani, von den Freimaurern auch „Grüner Vatikan“ oder „Vatikan der 33er“ genannt, in Anspielung auf den 33. und höchsten Grad der Hochgradfreimaurerei, ist heute Sitz des Präsidenten des italienischen Senats, der zweiten Kammer (Oberhaus) des Italienischen Parlaments, der Senatsverwaltung und der Senatoren auf Lebenszeit. Nach dem Verbot der Freimaurerei 1926 hatte Benito Mussolini den Palazzo dem Senat zur Verfügung gestellt. Von 1945–1985 teilten sich Senat und Großorient das Gebäude.

3 Bis zum Zusammenschluß 1965 mit der Zeitung 24 Ore nur Il Sole.

4 Gemeint ist der 1861 ausgerufene italienische Staat, der aus dem Risorgimento, der italienischen Nationalbewegung und den von ihr ausgegangenen Kriegen von 1859–1870 hervorgegangen ist. Zunächst als Königreich Italien (Haus Savoyen), seit 1946 als Italienische Republik.

5 Die Freimaurerloge Propaganda Due (P2) war von Giuseppe Mazzini 1877 im Großorient von Italien gegründet worden, um wegen des großen Andrangs in den Logen, dem neuen Machtzentrum des jungen Staates, die Identität der führenden Freimaurer auch innerhalb der Freimaurerei zu schützen. Der Name der Loge war eine Anspielung auf die 1622 errichtete vatikanische Kongregation Propaganda Fide (heute Kongregation für die Evangelisierung der Völker), deren freimaurerisches Gegenstück Propaganda Due sein sollte. 1925 wurde auch die Loge P2 wegen des Verbots aller Geheimbünde durch Benito Mussolini aufgelöst. Nach Kriegsende wurde sie zusammen mit dem Großorient wiedererrichtet und unterstand direkt dem Großmeister. Wiederbelebt wurde sie erst später. 1970 wurde Licio Gelli zum Vertreter des Großmeisters in der P2, ab 1975 ihr Stuhlmeister. Gelli, ein Unternehmer aus der Toskana, hatte als Faschist, von Mussolini aufgeboten, als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Nationalisten gekämpft, während der Besetzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg als Verbindungsoffizier zur Wehrmacht gedient und sich nach dem Frontwechsel Italiens im September 1943 dem Antifaschismus angeschlossen. 1963 war er in die Freimaurerei aufgenommen worden. Die Loge P2 geriet in den Fokus der Öffentlichkeit, als 1981 bei einer Haussuchung in Gellis Villa, wegen einer ganz anderen Sache, von der Finanzpolizei eine Mitgliederliste der Loge P2 mit über tausend Namen sichergestellt wurde, darunter auch jener des Oberkommandanten der Finanzpolizei, General Orazio Giannini. Was zwischen 1970 und 1981 in der oder durch die Loge P2 geschah oder ihr nachträglich zugeschrieben wurde, war Gegenstand von Untersuchungen durch Staatsanwaltschaften und Parlament, verliert sich jedoch in einem Dickicht aus Wahrheit und Desinformation. Tatsache ist, daß Gelli, was offensichtlich seine Absicht war, vor dem Hintergrund einer möglichen kommunistischen Machtübernahme eine mächtige Seilschaft aus Vertretern von Finanz, Wirtschaft, Politik, Medien, Polizei und Militär gebildet hatte, um im Staat Einfluß zu erlangen und auszuüben.

6 Organisierte Kriminalität in Kalabrien (die kalabrische Mafia).

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