Die mysteriösen Ursprünge des Coronavirus (3. Teil)

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(Roberto de Mattei, Katholisches – 26 August 2021Die offizielle Version zum Ursprung der Pandemie

Die moderne Biologie hat einen ihrer Eckpfeiler in Darwins Evolutionstheorie. Das Gesetz der Evolution reguliere die Geburt und Mutationen von Viren, die durch einen natürlichen Prozeß namens Spillover („Speziessprung“) von Tieren auf den Menschen übertragen würden.

„Spillover: Animal Infections and the Next Human Pandemic“ (dt. Ausgabe: „Spillover: Der tierische Ursprung weltweiter Seuchen“, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013), ist der 2012 veröffentlichte Aufsatz des amerikanischen Wissenschaftsjournalisten David Quammen, in dem der Autor den Ausbruch einer globalen Pandemie (the next big one) aufgrund eines Spillover voraussagte. In einem Interview mit der Tageszeitung Il Manifesto vom 24. März 2020 erklärte Quammen: „Spillover ist der Begriff, mit dem der Moment benannt wird, in dem das Virus von seinem nicht-menschlichen ‚Wirt‘, einem Tier, zum ersten menschlichen ‚Wirt‘ übergeht. Der erste menschliche Wirt ist Patient null. Die Infektionskrankheiten, die diesem Prozeß folgen, werden Zoonosen genannt.

Basierend auf dieser Evolutionstheorie ist die offizielle Version des Virus-Ursprungs , die seit Januar 2020 von Biologen und Virologen verbreitet wird, die der Zoonose: eine Infektionskrankheit, die durch einen Spillover vom Tier auf den Menschen übertragen wurde. Der Ort, an dem die Epidemie ihren Ursprung hatte, sei der Huanan Seafood Wholesale Market, der große Fisch- und Meeresfrüchtemarkt von Wuhan, auf dem lebende Tiere verkauft und alle Arten von Lebensmitteln wie die traditionelle Fledermaussuppe unter mehr als prekären hygienischen Bedingungen konsumiert werden (hier).

Für den „Speziessprung“ vom Tier auf den Menschen wurden die Fledermäuse des Wuhan-Marktes verantwortlich gemacht, aber niemand wies darauf hin, daß es wenige Kilometer vom Fischmarkt entfernt ein ziviles und militärisches Labor gibt, in dem an pathogenen Viren geforscht wird. Niemand griff die Frage auf, die sich von Anfang an aufdrängte: Kam das Virus, das die Ärzte des Wuhan-Labors infizierte, vom Fischmarkt oder waren die Fischmarktbesucher mit einem Virus aus dem Wuhan-Labor infiziert? Erst recht, zumal das erste gewonnene und als SARS-CoV‑2 bezeichnete Virus von einer Person stammt, die den Markt nicht besucht hatte (hier).

Darüber hinaus behauptet Dr. Shi Zhengli, daß das von ihr entdeckte Coronavirus Fledermaus-Kotproben entnommen worden sei, die im Juli 2013 in einer Mine in der südlichen Provinz Yunnan gesammelt wurden. Seltsamerweise hat sie dieses Virus auf GenBank unter dem Namen RaTG13 aber erst acht Jahre später registriert, als die Pandemie bereits begonnen hatte. Shi Zengli erwähnt auch nicht, daß die nächsten Verwandten des Yunnan-Virus zwei Coronaviren sind, die 2018 vom Nanjing Military Institute of Medicine registriert wurden, das 109 genetische Sequenzen hinterlegte, die durch eine enorme Anzahl von Experimenten gewonnen worden waren. In dieser Masse von Krankheitserregern sind die beiden Coronaviren namens ZC45 und ZXC21 die einzigen, die sich nachweislich an Rezeptoren in Lungen- und Gehirnzellen anderer Säugetiere binden können. ZC45 und ZXC21 wurden jedoch aus Proben isoliert, die in der Nähe der Stadt Zhousgan entnommen wurden, die 3.000 Kilometer von den Yunnan-Höhlen entfernt liegt, die ihrerseits 1.500 Kilometer von Wuhan entfernt sind. Da Fledermäuse zu so weiten Flügen nicht in der Lage sind: Wie kam das Virus nach Wuhan, ohne auf dem langen Weg jemand zu infizieren? (Hier).

Vor allem aber reicht es für die These des „Speziessprungs“ nicht aus, ein Virus-Trägertier wie die Fledermaus zu identifizieren. Es muß nachgewiesen werden, welcher Zwischenwirt durch eine natürliche genetische Rekombination die Übertragung des Virus von der Fledermaus auf den Menschen ermöglicht hat. Während bei vergangenen Epidemien wie SARS und MERS die für den „Speziessprung“ verantwortlichen Tiere identifiziert worden waren, wurde bei SARS-CoV‑2 bisher nicht einmal eine Spur dieses Zwischenwirts gefunden, bei dem die Mutation aufgetreten sein könnte. „Wir wissen nicht, wo diese Rekombination stattgefunden haben könnte und wie sie passiert ist“, so Prof. Tritto. Deswegen ist „der realistischste Vorschlag, der durch verschiedene Tests gestützt wird, daß das Virus aus einer Labor-Rekombination hervorgegangen ist und anschließend aus einem nicht geklärten Grund zur Infektion geführt hat“ (S. 105).

Immunologen sagen, daß wir es mit einem „anomalen“ Virus zu tun haben, das sich anders verhält als die Viren derselben Familie. Der Pharmakologe Gaetano Di Chiara spricht von einem „perfekten Virus“, das im Labor gewonnen worden sein könnte, „nach den gleichen Methoden wie in der Natur, indem es von der Fledermaus auf einen möglichst nahe beim Menschen befindlichen Zwischenwirt übertragen wurde, zum Beispiel einen Primaten, möglicherweise einen anthropomorphen Primaten, bei dem das Virus Mutationen durchgemacht hat, die dazu geführt haben, daß es sich so entwickelt hat, daß nur wenige weitere Mutationen erforderlich waren, für die möglicherweise ein paar Monate ausgereicht haben, während derer das Virus möglicherweise im Menschen unerkannt zirkulierte oder jedenfalls nicht dem nationalen Gesundheitsdienst und der WHO gemeldet wurde“ (hier).

Auch für Prof. Tritto „stehen wir im Fall von Covid-19 offensichtlich vor einer perfekten Prozedur, die die Entstehung eines rekombinanten chimären Virus maskiert und durch die Herstellung von Studienklonen unter Verwendung der rekombinanten DNA und des Funktionsgewinns andere Manipulationen ermöglicht, denn offiziell heißt es, daß das Virus natürlichen Ursprungs ist “ (S. 136).

Stimmen, die nicht im Chor singen

Die alternative Hypothese zur offiziellen eines Viruslecks im Wuhan-Labor ist seit Ende Januar 2020 im Umlauf. Am 25. Januar 2020 berichtet der Chefredakteur von TgCom24, Paolo Liguori, als einer der ersten eine sensationelle Indiskretion, die auf Geheimdienst-Informationen zurückgeht: Das epidemische Virus, das sich in China ausbreitet, stamme möglicherweise aus einem militärischen Forschungslabor direkt in der Stadt Wuhan (hier).

Am 26. Januar 2020 spricht Dany Shoham, ein Biologe und ehemaliger israelischer Geheimdienstoffizier, in einem Interview mit der Washington Times darüber und macht darauf aufmerksam, daß es in China vierzig Strukturen gibt, die an der Herstellung biologischer Waffen beteiligt sind. Ihr Zentrum ist das Wuhan-Labor.

Auch ein amerikanischer Forscher, Steven Mosher, erklärt in der New York Post am 22. Februar, daß das in China hergestellte Virus versehentlich aus einem Wuhan-Labor ausgetreten sei.

Weitere Stimmen folgen, die nicht im Chor der offiziellen Darstellung mitsingen. Doch sie alle werden von der wissenschaftlichen Zeitschrift The Lancet in einem „Statement in support of the scientists, public health professionals, and medical professionals of China combatting COVID-19″ als „Verschwörungstheorien“ gebrandmarkt.

Der Artikel ist von 26 Wissenschaftlern unterzeichnet, die in einem apodiktischen Tonfall erklären: „Wir sind uns einig, Verschwörungstheorien, die behaupten, COVID-19 habe keinen natürlichen Ursprung, aufs Schärfste zu verurteilen.“ Wie Nicholas Wade jedoch feststellt: „Entgegen der Behauptung der Autoren kann die Annahme, daß das Virus aus einem Labor entwichen sein könnte, einen Unfall vermuten lassen und keine Verschwörung. Jedenfalls sollten wir die Frage mit Sicherheit studieren und nicht a priori ablehnen. Ein Kennzeichen guter Wissenschaftler ist, daß sie sich sehr bemühen, zwischen dem, was sie wissen, und dem, was sie nicht wissen, zu unterscheiden. Nach diesem Kriterium haben sich die Unterzeichner des Lancet-Briefes wie schlechte Wissenschaftler verhalten: Sie haben die Öffentlichkeit bestimmter Tatsachen versichert, von denen sie nicht mit Sicherheit wissen konnten, ob sie wahr sind“ (The origin of COVID: Did people or nature open Pandora’s box at Wuhan?).

Heute wissen wir, daß der Autor und Förderer des Lancet-Briefes der Vorsitzende der EcoHealth Alliance, Peter Daszak, war, der eine hinterhältige Medienoperation startete, um China von jeglicher Verantwortung für den Ursprung des Coronavirus reinzuwaschen [zu Daszak siehe Teil 2].

Gary Ruskin, Executive Director von U.S. Right to Know, gelang es dank eines Antrags auf Dokumenteneinsicht, die gesamte Korrespondenz zwischen den Wissenschaftlern zu erhalten, bevor der Brief im Lancet veröffentlicht wurde. Brice Perrier analysierte sie in seiner Untersuchung zu SARS-CoV‑2 (S. 159–162).

Aus dieser Korrespondenz geht hervor, daß Daszak, der Verfasser des Statement, dieses am 6. Februar 2020 zur Mittagszeit an die Professoren Ralph Baric von der University of North Caroline und Linfa Yang vom Global Health Institute of Singapore schickt und sie einlädt, es zu unterschreiben, um ihre chinesischen Kollegen zu schützen, mit denen sie seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Ihre Unterschrift ist wichtig, um weitere Wissenschaftler davon zu überzeugen, das Dokument zu unterzeichnen. Um 15:16 Uhr desselben Tag sendet Daszak jedoch eine neue Nachricht an Baric, um ihm mitzuteilen, daß Linfa Wang ihn davon überzeugt habe, daß es angesichts ihrer Interessensverquickung mit dem Wuhan-Labor für sie drei nicht klug sei, den Text zu unterschreiben. Schließlich wird Daszak unterschreiben, aber unter vielen, ohne als Initiator und Verfasser der Operation aufzutreten.

Es ist auch interessant, festzustellen, wie der amerikanische Immunologe in den E‑Mails, die er zwischen Januar und Juni 2020 mit dem Präsidenten der NIAID, Anthony Fauci, ausgetauscht hat und die einige Zeitungen dank des Freedom of Information Act legal erhalten haben, zeigt, daß er die Hypothese, die von einigen seiner Kollegen vorgebracht wird, daß das Virus im Labor entstanden ist, durchaus ernst nimmt, während er sie in der Öffentlichkeit lächerlich macht. Die für Fauci vielleicht peinlichste E‑Mail, wie Federico Punzi anmerkt, ist die, in der er einen „persönlichen Dank“ von Peter Daszak erhält, weil er den natürlichen Ursprung des Virus unterstützt und die Hypothese, daß es aus dem Labor stammt, bestritten hat: „Ich wollte Dir nur im Namen unseres Teams und unserer Mitarbeiter persönlich dafür danken, daß Du öffentlich widersprochen und festgestellt hast, daß die wissenschaftlichen Beweise einen natürlichen Ursprung von Covid-19 durch einen Spillover zwischen Fledermäusen und Menschen stützen und nicht ein Entweichen aus dem Labor des Wuhan Institute of Virology“ (hier). Fox-News-Reporter Tucker Carlson urteilt deshalb hart über Fauci: „Die schockierendste Tatsache ist, daß er in dieselbe Pandemie verwickelt war, die er zu bekämpfen hatte, und die grotesken und gefährlichen Experimente unterstützte, die anscheinend die Ausbreitung von Covid-19 möglich gemacht haben“ (hier).

Das Interesse an der Geschichte von jenem Teil der Wissenschaftsgemeinschaft ist offensichtlich, so Brice Perrier, der an den skrupellosen Experimenten zum „Gain-of-Function“ („Funktionsgewinn“) beteiligt ist. In der Tat würde die öffentliche Meinung und folglich die Politik das Ende dieser Experimente fordern, wenn sich auch nur ein versehentliches Entweichen eines Virus aus einem Labor mit katastrophalen Folgen ereignen würde. Perrier zitiert die Worte des australischen Medizinprofessors Nikolai Petrovsky: „Alle großen Institute, die an Viren arbeiten, haben Angst, daß ihre Forschung eingestellt wird. Die Gefahr für sie wäre ein generelles Verbot“ (S. 124f).

Desinformationskampagne der chinesischen Regierung

In der Geschichte geht mit jedem Ereignis immer eine „Erzählung“ einher, die dazu neigt, dessen Bedeutung für Propagandazwecke zu verzerren. Wie Bruno Lussato in seinem Werk „Virus. Huit leçons sur la désinformation“ („Virus. Acht Lektionen zum Thema Desinformation“, Editions des Syrtes, 2007) nachgewiesen hat, ist das Phänomen der Desinformation dank moderner Technologie zu einem festen Bestandteil des Referenzsystems unserer Gesellschaft geworden.

Desinformation ist heute das bevorzugte Feld der Nachrichtendienste. Die Geheimdienste der Vergangenheit widmeten ihre Tätigkeit vor allem der Suche nach Informationen, um die Manöver im geopolitischen Wettbewerb zwischen den Staaten antizipieren und bewältigen zu können. Heute scheint ihre Haupttätigkeit jedoch vor allem darin zu bestehen, Desinformation im gegnerischen Lager zu verbreiten. Das gilt für Rußland ebenso wie für die USA, für China und Israel.

Der Start der Desinformationskampagne der chinesischen Regierung über die Ursprünge von Covid-19 geht auf den 3. Februar 2020 zurück, als die Volksrepublik China die Vereinigten Staaten beschuldigt, weltweit wegen des Coronavirus Panik zu verbreiten.

Am 8. März erhalten die chinesischen Botschaften auf der ganzen Welt die ausdrückliche Anweisung, die Idee zu fördern, daß das Virus nicht aus China stamme. Am 12. März behauptete der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, auf Twitter, das US-Militär habe den Erreger während der Military World Games, den VII. Sommer-Militärweltspielen, die vom 18. bis 27. Oktober 2019 in Wuhan stattfanden, nach Wuhan gebracht (hier).

Gegen Jahresende 2020 kommentierte ein italienischer Journalist: „Die Propaganda- und Desinformationskampagne des kommunistischen Regimes nutzt Studien und Aussagen ausländischer Wissenschaftler, um zu argumentieren, daß das Virus nach China ‚importiert‘ wurde, aus Italien, Holland, Frankreich, Australien, Indien oder Spanien: praktisch von überall hernur nicht aus Wuhan“ (Filippo Santelli, in: La Repubblica, 9. Dezember 2020).

Das Megaphon der Pekinger Propaganda ist die Global Times, eine englischsprachige Tageszeitung, die vom offiziellen Presseorgan der Kommunistischen Partei Chinas herausgegeben wird. Italien wird zum Laboratorium der Desinformationsstrategien der chinesischen Propaganda. Dies belegen die Daten des italienischen Unternehmens Alkemy, das im März 2020 die Mobilisierung Tausender „Bots“ auf Twitter enthüllte, um die chinesische Botschaft in Rom zu unterstützen. 46,3 % der zwischen dem 11. und 23. März veröffentlichten Posts mit dem Hashtag #forzaCinaeItalia (VorwärtsChina+Italien) seien das Werk von automatischen Profilen gewesen, sowie 37,1 % der im selben Zeitraum veröffentlichten Posts mit dem Hashtag #grazieCina (DankeChina).

Der Sicherheitsbericht über die Informationspolitik 2020 des italienischen Geheimdienstes, der am 1. März 2021 dem Parlament vorgelegt wurde, meldet die „Verwendung der kombinierten Nutzung von Desinformationskampagnen und Cyber-Attacken durch die wichtigsten feindlichen Akteure staatlicher Matrix, mit denen die emotionale, durch die Gesundheitskrise verursachte Welle ausgenützt wird, um die Pandemie in einen langfristigen strategischen Vorteil zu verwandeln“ (hier).

In der chinesischen Propaganda gibt es zwei, wenn auch widersprüchliche Parolen: erstens, die Epidemie sei nur eine „schwere Grippe“; zweitens, das Virus sei in amerikanischen Labors hergestellt worden. Die fragile These eines amerikanischen bakteriologischen Angriffs wird flankiert von der verführerischeren These einer Medienoperation, um die Welt in Richtung Welteinheitsregierung zu drängen. Eine westliche Finanzoligarchie habe die Pandemie produziert und kontrolliere ihre Ausbreitung mit dem Ziel, die Menschheit einer globalen Einheitsregierung zu unterwerfen. Bill Gates wird zur symbolischen Figur dieser Operation.

Die Rolle von Bill Gates und Big Pharma

Die Bill & Melinda Gates Foundation ist der private Hauptsponsor der WHO und unterstützt internationale Konsortien wie die EcoHealth Alliance von Peter Daszak und die Gavi Alliance, eine globale Organisation für die Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Einrichtungen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die „Immunisierung für alle“ zu gewährleisten.

Bill Gates hat natürlich auch finanzielle Interessen in China, insbesondere in Wuhan. Es wäre sicherlich wichtig zu verstehen, welche Rolle sie in der Pandemiegeschichte spielen. Aber der beste Weg, um eine ernsthafte Untersuchung von Gates‘ Verantwortung zu diskreditieren, besteht darin, phantasievolle Anschuldigungen gegen ihn zu schüren, wie etwa die Planung der Pandemie, um Impfstoffe zu verkaufen, in die ein Mikrochip eingebettet ist, um die Weltbevölkerung zu kontrollieren. Das machen jene, die den Ursprung des Coronavirus mit Event 201 in Verbindung bringen, jenem Treffen am 18. Oktober 2019 im Pierre Hotel in New York, wo die Bill & Melinda Gates Foundation, das Johns Hopkins Center for Health Security und das Weltwirtschaftsforum die Simulation einer Pandemie durchführten, die durch ein Coronavirus verursacht wird. Bei diesem Treffen sind sich Experten einig, daß es nur eine Frage der Zeit sei, bis eine Epidemie global wird. Das Szenario sagt jedoch eine ganz andere Pandemie voraus, als sie einige Monate später auftritt: Tatsächlich geht es davon aus, daß die Ansteckung von Brasilien ausgeht, in anderthalb Jahren 65 Millionen Tote verursacht und dann natürlich ausläuft.

Im Juni 2020, als die Pandemie im Gange war, spricht Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums, auch bekannt als „Davos Forum“, über die „große Chance“, die die Pandemie für eine „große Transformation“ oder den „Great Reset“ bietet, d. h. einen Reorganisationsplan des durch das Virus zutiefst destabilisierten Weltwirtschafts- und Sozialsystems (hier).

Der „Great Reset“ ist kein sehr geheimer Plan, wenn am 20. November die amerikanische Zeitschrift Time ihm die Titelseite widmet und Schwab selbst ihn in dem Buch „Covid-19: The Great Reset“ vorlegt, das er zusammen mit Thierry Malleret geschrieben hat (Robert Daff, 2020, dt. Ausgabe: Covid-19: Der große Umbruch, Forum Publishing, 2020).

Diese Fakten bestätigen zweifellos die Aufmerksamkeit der internationalen „starken Mächte“ an dem Pandemie-Thema. Aber sie beweisen in keiner Weise, daß die Finanzoligarchie des Planeten die Pandemie am grünen Tisch geplant hat. Wer einen biologischen Angriff organisiert, veranstaltet keine Konferenzen, um seine Programme ans Licht zu bringen, sondern versucht sie auf jede Weise zu verbergen, wie es zur gleichen Zeit in China der Fall war.

Hingegen wahrscheinlich ist, daß Gates, Schwab und die anderen Männer des internationalen Establishments, dank ihrer vertraulichen Informationskanäle, über die amerikanischen und chinesischen Experimente Bescheid wußten und auch von der Möglichkeit, daß terroristische Gruppen biologische Waffen einsetzen könnten. Militärlabore auf der ganzen Welt haben trotz der Ächtung nie aufgehört, sich auf die biologische Kriegsführung vorzubereiten. Es erscheint logisch, daß Bill Gates, der den Ausbruch einer Pandemie vorhersagte, sich darauf vorbereitet hat, indem er sich der Herstellung von Medikamenten und antiviralen Impfstoffen widmete. Die Gates Foundation finanziert Moderna seit 2016 (hier) und hat im September 2019 55 Millionen in Biontech investiert, und das sicher nicht mit philanthropischem Geist, sondern um daraus Macht und Gewinne zu ziehen. Bis 2020 konzentrierte sich Big Pharma, so der Name, mit dem der Komplex der weltweit größten Pharmaunternehmen bezeichnet wird, aber nicht auf Impfstoffe, sondern auf die Entwicklung von Krebsmedikamenten. Das Interesse der Pharmaunternehmen an einer fortschreitenden „Medizinalisierung“ der Gesellschaft ist ebenso offensichtlich wie die Komplizenschaft jener Wissenschaftsgemeinschaft, die in das lukrative Geschäft mit rekombinanten DNA-Techniken und Gain-of-function-Strategien verwickelt ist (Tritto, S. 161). Das bedeutet nicht, daß sie Teil eines „Makro-Komplotts“ sind. Der Wissenschaftsjournalist Stefano Cingolani dokumentierte in „La guerra fredda dei vaccini“ („Der Kalte Krieg der Impfstoffe“, in: Il Foglio, 15. Mai 2021), wie während der Covid-19-Epidemie „die größten Pharmaunternehmen von kleineren Konkurrenten deklassiert wurden, während sich winzige Unternehmen, kaum mehr als spezialisierte Labors, etablierten“; „selbst Big Pharma wurde von Covid-19 überrascht. GSK, das sind GlaxoSmithKline (Angloamerikaner), Merck (Deutsch), Sanofi (Französisch), Novartis und Roche (Schweiz), sechs der größten Unternehmen, blieben auf der Strecke“.

Das Ausmaß der auf dem Spiel stehenden Interessen kann den Kurswechsel der WHO erklären, der nach dem Kleinreden der Pandemie seit März 2020 mit schwankenden und oft widersprüchlichen Aussagen dazu übergeht, sie aufzubauschen. China ist der politische Bezugspunkt der WHO, doch Bill Gates ist ihr privater Hauptsponsor, der durch eine starke Betonung der Pandemie die Gewinne der mit ihm verbundenen Pharmaunternehmen zu maximieren versucht. Der Wettbewerb zwischen den Impfstoffherstellern ist sicher gnadenlos. Neben den wirtschaftlichen Interessen dieser Unternehmen gibt es auch die des Finanzkapitals, denn Pharmaunternehmen müssen bei der Forschung und der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt werden. Wenn wir diesen Ereignissen jedoch den Charakter einer „Ursache“ der Pandemie zuschreiben, laufen wir Gefahr, Ursache und Wirkung zu verwechseln, was einer der typischen Denkfehler ist, die Aristoteles in seinen Sophistischen Widerlegungen kritisiert (Organon, 2. Aufl., Holzinger, 2013).

Die Desinformationskampagne von QAnon

Laut unkontrollierten Gerüchten, die von russischer und chinesischer Propaganda angeheizt werden, wären die von progressiven oder konservativen Regierungen auf der ganzen Welt empfohlenen restriktiven Maßnahmen wie Lockdown, Masken und soziale Distanzierung Instrumente und Symbole einer westlichen Verschwörung zur Aufhebung der individuellen Freiheiten und Ausübung sozialer Kontrolle über die Menschheit. Seit März 2020, als wenig oder nichts über das neue Coronavirus bekannt ist, entwickeln sich europaweit Demonstrationen gegen die Maßnahmen der Regierungen (hier), angeführt von fragwürdigen Persönlichkeiten wie Robert F. Kennedy jr, offizieller Redner bei der Demonstration am 29. August in Berlin (hier) und David Icke, dem ehemaligen britischen Fußballspieler, der dafür bekannt wurde, daß er meinte, die Welt werde von Reptilien kontrolliert (Children of the Matrix. How an Interdimensional Race Has Controlled the World for Thousands of Years – and Still Does, Bridge of Love, 2001), und einer der Promotoren und Redner der Londoner Veranstaltungen 2020 war (hier).

Noch beunruhigender ist der Einstieg von QAnon, einem bevorzugten Instrument der russischen und chinesischen Desinformation. Diese Bewegung entstand im Herbst 2017 nach der Wahl von Donald Trump ins Weiße Haus, als eine Reihe von Nachrichten eines sich selbst „Q“ nennenden Nutzers auf dem 4chan-Forum veröffentlicht wurde. Der Autor dieser Nachrichten behauptet, ein hochrangiger Regierungsbeamter der Autorisierungsstufe „Q“ zu sein, die ihm Zugang zu streng geheimen Informationen der nationalen Sicherheit ermöglichen würde.

Laut QAnons Erzählung gibt es eine Verschwörung, die von fehlgeleiteten Geheimdiensten und internationalen Öl- und Waffenlobbys ausgeht. Diese Oligarchen bilden einen „Deep State“, auch definiert durch den Begriff „Cabal“, eine Kabale, die das absolute Böse verkörpert, ein Staat im Staat, der sich im Laufe der Jahrzehnte in die Apparate von Politik, Wirtschaft, Technologie und militärischen Strukturen eingeschlichen hat und fehlgeleitete Geheimdienste, organisierte Kriminalität und Drogenhändler mit einschließt, und die Adepten einer okkulten Organisation sind, die der Pädophilie und dem Satanismus verschrieben ist und sogar Menschenopfer bringt.

Ein Bericht des Soufan Center, eines nationalen Sicherheitsforschungszentrums in New York, zeigt, daß Rußland und China die soziale Propaganda der QAnon-Verschwörung (hier) anheizen. „Rußland wird oft als der fähigste und fortschrittlichste externe Desinformations-Motor angesehen. Interessanterweise zeigt unsere Analyse jedoch, daß China derzeit der Staat ist, der am meisten daran beteiligt ist, die Erzählungen von QAnon auf Facebook zu verbreiten. Im Jahr 2020 stammten 44 % der externen Posts aus Rußland, 42 % aus China, 13 % aus dem Iran und 1 % aus Saudi-Arabien. Während russische Administratoren in der ersten Hälfte des Jahres 2020 den Bereich des ausländischen Einflusses in den Online-Erzählungen von QAnon dominierten, begann China ab März letzten Jahres seine Desinformationskampagne schnell auszuweiten. (…) Nach unseren Informationen wurde Rußland als Hauptquelle des ausländischen Einflusses im Internet Ende September 2020 von China überholt, insbesondere in Bezug auf QAnon-Erzählungen. Diese Trendlinie setzte sich bis 2021 fort. Vom 1. Januar bis 28. Februar 2021 stammten 58 % der Posts von Administratoren aus China, mehr als doppelt so viel als von russischen Administratoren. Chinas Ziel ist es höchstwahrscheinlich, weitere Zwietracht und Spaltung unter der amerikanischen Bevölkerung zu säen“ (Quantifying the Q Conspiracy: A Data-Driven Approach to Understanding the Threat Posing by QAnon, The Soufan Center, April 2021, S. 26) (hier).

QAnon hat ein unerwartetes Publikum, auch in den Kreisen des katholischen Traditionalismus und der politischen extremen Rechten. Einer seiner Anhänger, Cesare Sacchetti, hämmert auf seinem Blog The Eye of the Needle, daß die Coronavirus-Pandemie nicht existiere, sondern nur ein Propagandainstrument der Finanzoligarchien sei, um die Gesundheitsdiktatur durchzusetzen: „Die Diktatur gründet im Grunde auf der Angst vor dem ‚tödlichen‘ Virus. Wenn nach und nach allen klar wird, daß es da draußen keinen gefährlichen Erreger gibt, ist die Illusion der Pandemie sofort erloschen. (…) Wer aufhört, Angst vor dem Virus zu haben, hört auf, Masken zu tragen. Wenn keine Masken mehr getragen werden, werden die Grundlagen der Diktatur untergraben.“ Die Coronavirus-Operation wäre konzipiert worden, um die Welt in Richtung der Eine-Welt-Regierung zu ziehen, und „ist voll von Hinweisen auf die Zahl 6, die in der Welt des Satanismus eine genaue Bedeutung hat. In einigen US-Bundesstaaten wurde der Abstand von 6 Fuß vorgeschrieben. In Italien wurde auferlegt, sechs Personen in den Häusern nicht zu überschreiten und nicht mehr als sechs Personen im Restaurant zu haben. Vor kurzem wurden in Mailand und Turin T‑Red-Ampeln installiert, und die für Straftäter vorgesehene Sanktion beträgt bis zu 666 Euro, eine Zahl, die offen an das Symbol des Tieres erinnert, das in der Apokalypse an der Spitze der Neuen Weltordnung stehen wird“ (25. Oktober 2020).

Desinformation und psychologische Destabilisierung

Desinformation ist Teil eines hypervernetzten Kommunikationssystems, in dem es unmöglich ist, angesichts eines unerwarteten Ereignisses wie der Gesundheitsepidemie irgendeine Form der Analyse und Kontrolle der Nachrichten auszuüben. Ein Bericht des Censis Research Institute stellt fest: „Einst gab es Kommunikationsagenturen, Nachrichtenagenturen, Reporter, die die Nachrichten für Zeitungen, Fernsehen, Radio filterten und für die Verläßlichkeit und Qualität der Nachrichten bürgten. Mit dem Web hat sich die Lieferkette der Kommunikation erweitert und verkürzt, sodaß Produktion, Verteilung und Konsum nun zusammenfallen: Im Netzwerk sind es die Endnutzer selbst, die die Nachrichten produzieren und teilen, indem sie sie im Web in einem Demokratisierungsprozeß verbreiten, an dem alle teilhaben. Ein Prozeß, der Freiheit und Pluralismus garantiert, aber auch eine Kehrseite der Medaille hat, denn in der kurzen Kommunikationskette über das Web sind Vermittler übersprungen worden, die eine Überprüfung und Auswahl von Nachrichten gewährleisten“ (hier).

Es sollte hinzugefügt werden, daß SARS-CoV‑2 seit seinem Auftreten in der öffentlichen Meinung heftige Kontroversen ausgelöst hat. Die erste große Kontroverse betrifft „Gesundheitspartei“ versus „Wirtschaftspartei“. Für die erste Partei ist der Lockdown die einzig mögliche Maßnahme zur Eindämmung der Pandemie; für zweitere hat dieser für die Wirtschaft verheerendere Folgen als Covid selbst.

In Wirklichkeit treten, wie der Soziologe Luca Ricolfi feststellt, die verheerendsten Folgen des Coronavirus SARS-CoV‑2 weder im Bereich der Gesundheit noch der Wirtschaft auf, sondern auf psychologischer Ebene. In der Tat ist das Terrain, auf dem die radikalsten Veränderungen stattfinden, die Art und Weise, wie unser Verstand funktioniert. Eine wachsende Unsicherheit, die „nicht nur die Schwierigkeit der Zukunftsplanung“ betrifft, sondern „ein allgemeiner Zustand mentaler Anarchie“ ist.

Das durch Covid ausgelöste Regime mentaler Anarchie, so Ricolfi, ist gefährlich für den sozialen Zusammenhalt, weil das gesellschaftliche Leben auf gemeinsamen Regeln und Mustern der Realitätswahrnehmung basiert, „aber auch gefährlich für das psychische Gleichgewicht des einzelnen, denn eine Welt, in der jeder sieht, was er sehen möchte, unabhängig davon, was andere sehen, ist höchst verängstigend, konflikthaft und destabilisierend“ (Come il Covid sta cambiando le nostre vite, [Wie Covid unser Leben verändert], in: Il Messaggero, 5. September 2020).

Desinformationskampagnen tragen zur psychologischen Destabilisierung bei, die wiederum den Kampf der Ideen bedingt. Und die Ideen wiederum werden von tiefen, oft unkontrollierbaren Tendenzen getrieben.

(Fortsetzung folgt.)

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