Die mysteriösen Ursprünge des Coronavirus (1. Teil)

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(Roberto de Mattei, Katholisches – 12. August 2021)

Eine Prämisse zur Methode

Während die politische, wissenschaftliche und moralische Diskussion über Covid-19-Impfstoffe die öffentliche Meinung spaltet, gibt es einen grundlegenden Punkt, der trotz seiner Bedeutung von den Massenmedien und kulturellen Informationsträgern an den Rand gedrängt wird: der Ursprung des Coronavirus und seine planetarische Ausbreitung.

Achtzehn Monate nach dem Ausbruch des Virus ist es vielleicht an der Zeit, die nach und nach ans Licht kommenden Informationen zu ordnen und eine erste Betrachtung der Genese dieses die Geschichte verändernden Ereignisses zu versuchen.

Die Methode, die ich anwenden werde, um an die Problemstellung heranzutreten, ist die des Historikers: 1.) die Quellen zitieren, nachdem deren Verläßlichkeit überprüft wurde; 2.) die Fakten geordnet und ohne vorgefaßte Thesen rekonstruieren; 3.) eine Interpretation vorschlagen, die, so persönlich sie sein mag, immer und allein von der Suche nach der Wahrheit geleitet ist.

Schließlich und nicht zuletzt muß die Bereitschaft gegeben sein, die eigene Meinung aufgrund neuer Tatsachen, die ihr widersprechen, zu ändern.

Zu den wichtigsten Quellen, die zu Rate gezogen werden sollten, gehören die Geheimdienstberichte der bedeutendsten Länder der Welt. Ich bin nicht in der Lage, auf diese Quellen zurückzugreifen, aber ich glaube, daß die Autoren von zwei Büchern, die demnächst veröffentlicht werden, dies zumindest teilweise getan haben: „Was wirklich in Wuhan geschah“ („What really happened in Wuhan“ von Sharri Markson, das im September bei Harper Collins erscheinen wird, und „Der politisch unkorrekte Leitfaden für Pandemien“ („The Politically Incorrect Guide to Pandemics“) von Steven Mosher, das von Regnery für März 2022 angekündigt wurde.

In Erwartung der Informationen, die uns diese Werke bieten, schlage ich eine Rekonstruktion der Ereignisse vor, die auf Sekundärquellen und unter anderem auf den Studien zweier italienischer Autoren basiert: Die erste mit dem Titel „China Covid-19. Die Chimäre, die die Welt verändert hat“ („Cina Covid-19. La chimera che ha cambiato il mondo“), ist dem Arzt und Forscher Joseph Tritto zu verdanken und wurde im August 2020 im Verlag Cantagalli mit einem Vorwort von James Goldberg und einem Nachwort von Luigi Frigerio veröffentlicht; die zweite ist dem investigativen Journalisten Fabrizio Gatti zu verdanken und wurde im April 2021 im Verlag La nave di Teseo unter dem Titel „Der unendliche Fehler. Die geheime Geschichte einer Pandemie, die es zu vermeiden galt“ („L’infinito errore. La storia segreta di una pandemia che si doveva evitare”) veröffentlicht.

Die Dokumentation, die von diesen und anderen Autoren wie dem Reporter Nicholas Wade in seinem Essay „Der Ursprung von COVID: Haben Mensch oder Natur die Büchse der Pandora in Wuhan geöffnet?“ („The origin of COVID: Did people or nature open Pandora’s box at Wuhan?“, Bulletin of the Atomic Scientists, 5. Mai 2021) und von Brice Perrier in seinem Interview mit dem CNRS-Virologen Etienne Decroly, „SARS-CoV‑2, die Ursprünge der Krankheit“ (SARS-CoV‑2, aux origines du mal, Belin, Mai 2021), legt eine These vor, die ich versuchen werde mit Fakten und Argumenten zu untermauern: Das Coronavirus wurde im chinesischen Labor in Wuhan hergestellt, aus dem es entweder durch einen Unfall oder durch Kriegsabsichten entkommen ist. In jedem Fall ist die Verantwortung des kommunistischen China äußerst schwerwiegend, aber ebenso schwerwiegend ist die Verantwortung der westlichen Länder, die, nachdem sie mutmaßlich bei ihren vertraulichen Untersuchungen zur Herkunft des Virus zu ähnlichen Schlußfolgerungen gelangt sind, aus Angst vor politischen, militärischen und wirtschaftlichen Spannungen mit China sich entschieden haben, zu schweigen.

In Wirklichkeit wird das kommunistische chinesische Regime aus diesem Schweigen nur Vorteil ziehen können, so wie es jetzt maximalen Vorteil aus der Ausbreitung der Pandemie zieht, die leider dramatisch real ist und deren schädlichste Auswirkungen im psychologischen und kulturellen Bereich entfaltet.

Der Zweck dieses Artikels und der anderen, die folgen werden, besteht genau darin, Elemente der Klarheit zu bieten in einer Situation der Geistesverwirrung und der Aufregung, in der der Westen heute zu versinken scheint.

Wuhans glitzerndes Schaufenster

Die Stadt Wuhan mit elf Millionen Einwohnern ist die Hauptstadt von Hubei, einer historischen Binnenprovinz in Zentralchina. Wuhan verfügt über mehrere Flughäfen und neun U‑Bahn-Linien und gilt als technologisches und industrielles „Schaufenster“ des kommunistischen chinesischen Reiches. Es wird das „chinesische Detroit“ genannt, weil dort die großen nationalen Autohersteller ihren Sitz haben, und es wird auch das „chinesische Silicon Valley“ genannt, weil es Unternehmen beheimatet, die bei der Entwicklung neuer Technologien an vorderster Front stehen. Etwa zwanzig Kilometer vom Zentrum der Stadt Wuhan entfernt, auf der anderen Seite des Jangtse, befinden sich unweit voneinander drei Institute: die China Biology Technology Group, das Biological Engineering Department und das Wuhan Institute of Virology, in dem das Wuhan National Biosafety Laboratory untergebracht ist, der einzige Standort in China mit der Sicherheitsstufe P4, der höchsten, die international anerkannt ist.

Was am 4. Juli 2019 am Stadtrand von Wuhan passierte, schreibt Massimo Gatti, hat das glitzernde Schaufenster zerbrochen. An diesem Tag landen Bilder, wie Einheiten der Bereitschaftspolizei gegen Tausende von Einwohnern von Wuhan vorgehen, die mit Sprechchören „Stürzt die Kommunistische Partei“ demonstrieren, auf Weibo, der chinesischen „Microblogging“-Seite (einer Mischung kurzer Inhalte im Netz zwischen Twitter und Facebook) und gehen, bevor sie zensiert werden, um die Welt. „Und für die chinesischen Kommunisten wie für alle totalitären Regime – fügt Gatti hinzu –  ist der Verlust der Informationskontrolle über ein Ereignis noch schwerwiegender als das Ereignis selbst“ (L’infinito errore, S. 85).

Der Journalist veröffentlichte einige Bilder des Protests, der vom 28. Juni bis 4. Juli, sieben Tage in Folge, stattfand (S. 92–99). Was dabei auffällt, wie er anmerkt, ist nicht die offensichtliche Polizeigewalt, sondern die Wut der Bürger, die der neuen chinesischen Mittelschicht angehören.

An den gleichen Tagen gingen in Hongkong zwei Millionen Menschen, fast dreißig Prozent der Bevölkerung, gegen die pro-chinesische Gouverneurin Carrie Lam auf die Straße.

Diese Ereignisse zeigen, daß die Machtdemonstrationen des kommunistischen Regimes, wie die gigantische Militärparade zum 70. Jahrestag der Volksrepublik China, ernste und zum Teil unkontrollierbare interne Schwierigkeiten verbergen.

 

Die kommunistische Diktatur in China

2019 feierte das kommunistische China sein siebzigjähriges Bestehen. Die Volksrepublik China wurde am 1. Oktober 1949 von Mao Zedong gegründet. Seitdem regiert die Kommunistische Partei Chinas das Land. Xi Jinping ist seit 2012 Sekretär der Kommunistischen Partei und seit 14. März 2013 Staatspräsident des kommunistischen China, dem die Republik China, die noch immer freie und unabhängige Insel Taiwan, entgegensteht. Von Xi Jinping abhängig ist die Volksbefreiungsarmee mit zwei Millionen aktiven Soldaten und fünfhunderttausend Reservisten, die Bewaffnete Volkspolizei mit eineinhalb Millionen Soldaten, die auf Einsätze der inneren Sicherheit wie Aufruhr und Terrorismus spezialisiert ist, und die Volksmiliz mit etwa drei Millionen Frauen und Männern, die zur Unterstützung in den paramilitärischen Divisionen eingegliedert sind.

Xi Jinping und die Führer der Kommunistischen Partei Chinas sind besessen vom Zusammenbruch der Sowjetunion und anderer kommunistischer Länder in Osteuropa. Ihr Problem, wie Massimo Introvigne feststellt, besteht darin, die KPC daran zu hindern, das Schicksal der kommunistischen Parteien in Osteuropa zu erleben. Deshalb schrecken sie vor keiner Form der Repression zurück.

Der World Report 2020 über Menschenrechtsverletzungen in der Welt im Jahr 2019, von Human Rights Watch veröffentlicht, widmet sich ausführlich der Diktatur von Xi Jinping. Der Bericht erklärt, daß Peking mehr als jede andere Regierung die Technologie in den Mittelpunkt seiner repressiven Aktivitäten gestellt hat. Es gibt 134 chinesische Unternehmen, die Werkzeuge zur Unterdrückung von Demonstrationen und zur Folter von Häftlingen herstellen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), eine Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Frankfurt am Main, hat in einer Studie die häufigsten Folter- und Mißhandlungsmethoden in der Volksrepublik China zusammengetragen: Verdrehen und Überdrehen von Gliedmaßen, Elektroschocks, Verbrennen und Verbrühen, Hunger, Durst, Schlafentzug, sexuelle Gewalt, Stich- und Schnittverletzungen, Mißhandlungen durch Tiere, Ersticken, Psychiatriemißbrauch, Wasserkerker, Zwangs-„Ernährung“, Aufhängen sowie gebrochene Finger und Knochen. Zu den verbreiteten Praktiken gehört auch der Organraub an politischen Gefangenen, um den florierenden Organhandel des Landes zu beliefern.

Eine 2020 veröffentlichte und von der Victims of Communism Memorial Foundation finanzierte Studie prangert mit zahlreichen Zeugenaussagen die Ermordung politischer Gefangener in China an, zum Zweck, ausgewählte Krankenhäuser mit ihren Organen wie Herz, Leber, Lunge und Nieren zu versorgen, die chinesischen und ausländischen Patienten transplantiert werden. Einige der größten und führenden Transplantationskliniken Chinas befinden sich in Wuhan.

Darüber hinaus ist seit 2003 das Golden Shield Project aktiv, ein nationales Sicherheitsprojekt, das durch ausgeklügelte Software eine massive Kontrolle über Informationen ausübt. Sogar WeChat, die chinesische Messaging-Plattform, die von über einer Milliarde Menschen in China und im Ausland genutzt wird, unterliegt der durchgängigen aktiven Überwachung – überall. Eines der Ziele der Regierung ist es, die digitale Repression zu stärken: „Totale Kontrolle der Wohnbevölkerung durch das Sozialpunktesystem (citizen score system), ein Instrument, das die Zuverlässigkeit der Bürger bewertet und damit das Vertrauen mißt, das in ihn gesetzt werden kann. Jedem Bürger werden Reputationspunkte zugewiesen, die das Handeln bedingt und mißt“ (Antonio Salvatici: Coronavirus Made in China, Rubbettino, Soveria Mannelli 2020, S. 7).

Unter den zehn Millionen Einwohnern von Hangzhou beispielsweise werden in den Klassenzimmern Kameras installiert, um den Gesichtsausdruck und den Aufmerksamkeitsgrad der Schüler zu überwachen. Xi Jinping und sein Apparat haben es auch im Ausland geschafft, ein beeindruckendes Netzwerk ihrer Unterstützer aufzubauen: Universitätsprofessoren, Unternehmer, Manager und eine Vielzahl von Parlamentariern bis hin zu den neuen Bewegungen, die im Internet entstanden sind und in westlichen Demokratien die gesamte Bandbreite abdecken.

Die Volksrepublik China entfaltet zudem Aktivitäten „weitverbreiteter Spionage“ im Westen. Das kommunistische Regime setzt systematisch die eigenen Bürger im Ausland ein, um Informationen zu sammeln, und nutzt diplomatische Einrichtungen, um diese Informanten zu verwalten. Jeder chinesische Student im Ausland ist ein potentieller Agent, weil sie alle gesetzlich verpflichtet sind, Spionage gegen die USA zu betreiben. Laut Artikel 7 und 14 des chinesischen Geheimdienstgesetzes von 2017 (National Intelligence Law)  ist jeder chinesische Staatsbürger im Ausland verpflichtet, auf Verlangen Spionage zu betreiben. Am 26. April 2021 verabschiedete China ein neues innerstaatliches Gesetz über Spionage und Spionageabwehr, das unter anderem vorsieht, daß jeder chinesische Staatsbürger, der von einer Auslandsreise nach Hause zurückkehrt, auf Verlangen der Geheimdienste Pekings ein Interview-Gespräch mit diesen führen muß (HuffPost, 28. April 2021).

 

Biologische Waffen des 21. Jahrhunderts

Die Biotechnologie stellt zusammen mit der Informationstechnologie einen der Hauptforschungs- und Investitionsbereiche der chinesischen Regierung dar. Ein internationales Abkommen, die Biowaffenkonvention (Biological and Toxin Weapons Convention, BTWC), unterzeichnet am 12. April 1972 und am 26. März 1975 in Kraft getreten, verbietet die Entwicklung, Herstellung und Lagerung von biologischen Waffen. Die Volksrepublik China hat die Konvention unterzeichnet, sie aber nie ratifiziert. Die unterlassene Ratifizierung hat es der Volksrepublik ermöglicht, die biotechnologische Forschung für militärische Zwecke im Einklang mit ihrem Großmachtstreben voranzutreiben. Es gibt ein chinesisches Programm der biologischen Kriegsführung, zu dem Strukturen aktiv sind, die unter der Kontrolle des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte stehen (hier).

Biologische Waffen gehören zur Kategorie der Massenvernichtungswaffen. Ihr Einsatz kann viele Vorteile verschaffen. Während des Kalten Krieges wurde der internationale Frieden durch das „Gleichgewicht des Schreckens“ zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten sichergestellt, die beide wußten, daß der Einsatz von Atomwaffen eine sofortige und verheerende Reaktion der anderen Supermacht hervorrufen würde. Keine Abschreckung ist möglich, wenn Atomwaffen durch biologische Waffen ersetzt werden, die sich ihrer Natur entsprechend für den verdeckten Einsatz eignen. Im Gegensatz zum nuklearen oder chemischen Angriff hat der biologische Angriff eine schädliche oder tödliche Wirkung auf Dinge und Menschen, ohne daß sein wahrer Ursprung identifiziert werden kann. Darüber hinaus greift dieser Krieg aufgrund seines verborgenen Charakters nicht nur den Körper, sondern auch die Moral der Bevölkerung an, die die Verantwortung für den Schaden nicht den Verursachern der Krise zuschreibt, sondern jenen in ihren eigenen Ländern, die sie zu handhaben versuchen: „Letztlich“, so Tritto, „ist es praktisch unmöglich, mit Sicherheit festzustellen, ob es sich um einen Angriff, ein Naturereignis oder eine Episode aus mangelnder Sicherheit handelt“ (Tritto, S. 51) .

Das Konzept der biologischen Kriegsführung hat sich in den letzten Jahren mit dem Übergang von toxikologischen Waffen zu pathogenen Vektorwaffen, die nach der Zerstörungskraft des Virus klassifiziert werden, gewandelt.

Um als biologische Waffe ausgewählt zu werden, muß ein Krankheitserreger auf einige wesentliche Merkmale reagieren: a) ein seltener, ungewöhnlicher oder einzigartiger Mikroorganismus sein, der eine neue Krankheit verursacht; b) keine dokumentierten epidemiologischen Spuren zu seiner Herkunft hinterlassen; c) eine ungewöhnliche geographische Verteilung und/oder Selektivität besitzen; d) mehrere Infektionsquellen gleichzeitig haben (Tritto, S. 79).

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß 1999 ein Buch der beiden Offiziere der chinesischen Volksbefreiungsarmee Qiao Lian und Wang Xiangsui mit dem Titel „Unrestricted warfare“ („Uneingeschränkter Krieg. Die Kunst des asymmetrischen Krieges zwischen Terrorismus und Globalisierung“) veröffentlicht wurde, in dem die Autoren argumentierten, daß die Volksrepublik China zur Selbstverteidigung nicht zögern sollte, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente „uneingeschränkt“ einzusetzen.

Der Begriff „uneingeschränkter Krieg“ bezieht sich auf den „asymmetrischen Krieg“: ein Konflikt, bei dem eine der Parteien gezwungen ist, sich gegen einen nicht identifizierbaren Feind zu verteidigen, der unkonventionelle Waffen einsetzt. Der Einsatz von Biotechnologie, Informationstechnologie, künstlicher Intelligenz ist Teil der chinesischen Militärstrategie und ein typisches Beispiel für asymmetrische Kriegsführung.

China zum Beispiel, so schreibt John Ratcliffe, Direktor der National Intelligence der USA, des Zusammenschlusses der 17 US-amerikanischen Nachrichtendienste, im Wall Street Journal vom 3. Dezember 2020, führe Experimente an Angehörigen der Volksbefreiungsarmee durch, um biologische „Supersoldaten“ durch den Einsatz der CRISPR-Technologie zu schaffen, eines der fortschrittlichsten und umstrittensten genetischen Manipulationswerkzeuge (hier).

Mindestens dreißig Forschungsinstitute in der Volksrepublik China sind an der Erforschung, Entwicklung, Produktion oder Lagerung von biologischen Waffen beteiligt (Gatti, S. 258f). Das Army Logistic Scientific Research Project, eines der wissenschaftlichen Forschungsprojekte der Armee, reicht von der Anwendung künstlicher Intelligenz über die Analyse biomedizinischer Daten bis hin zur Patentierung neuer Krankheitserreger. Drohnen, künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Biologie, Neurowissenschaften sind die neuen Horizonte der chinesischen Militärstrategie (Tritto, S. 75). Das hat es China ermöglicht, seine Verteidigungs- und Offensivkapazität deutlich zu erhöhen.

Ein Text mit dem Titel „The Unnatural Origin of SARS and New Species of Man-Made Viruses as Genetic Bioweapons“ („Der unnatürliche Ursprung von SARS und neue Arten menschengemachter Viren als genetische Biowaffen“), der fünf Jahre vor der COVID-19-Pandemie veröffentlicht wurde, beschreibt SARS-Coronaviren als „eine neue Ära genetischer Waffen“, die „künstlich manipuliert und auf eine noch nie dagewesene Weise entfesselt werden können“ (hier).

Alle Regierungen sind sich der Möglichkeit biologischer Kriegsführung und des Risikos eines versehentlichen Austritts pathogener Viren aus Labors bewußt, die nicht über die erforderlichen Sicherheitsstandards verfügen. Die seit vielen Jahren betriebene Impfstofforschung hat nicht nur das Ziel, sich vor natürlichen Epidemien zu schützen, sondern auch vor der möglichen Verbreitung synthetischer Viren in der Welt (siehe Biodefense in the Age of Synthetic Biology. National Academies Press (US), 2018) .

 

Die Probleme der Biosicherheit

Das Ausmaß der Biosicherheit in Labors ist ein Zusammenwirken von Vorsichtsmaßnahmen, die zur Isolierung von gefährlichen biologischen Erregern in einer geschlossenen Umgebung erforderlich sind. Die Eindämmungsstufen reichen von Stufe 1, der niedrigsten (BSL‑1), bis zur höchsten Stufe 4 (BSL‑4). Die Definition der Ebenen wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), einer US-Bundesbehörde zur Überwachung des öffentlichen Gesundheitswesens, entwickelt.

Eine SARS-Epidemie (Schweres akutes Atemwegssyndrom) hat die Volksrepublik China von 2002 bis 2003 getroffen und Hunderte von Todesopfern gefordert. Zu den Verfolgten des Pekinger Regimes, wie Gatti erinnert, gehört der Militärarzt und Generalmajor Jiang Yanyong, der mit einem Brief an die Behörden das Massaker von 1989 auf dem Tian’anmen-Platz anprangerte und 2004 festgenommen wurde, weil er detaillierte Informationen über die Epidemie in seinem Land bekanntgemacht hatte, die bis dahin von seiner Regierung unter Verschluß gehalten worden waren. Seitdem wurde von der Möglichkeit gesprochen, daß das Virus durch Nachlässigkeit bei den Biosicherheitsmaßnahmen aus dem Pekinger Institut für Virologie entkommen sei. Auch die WHO schlug am 18. Mai 2004, nach dem SARS-Ausbruch in Peking, Alarm wegen der Möglichkeit weiterer Vorfälle aufgrund des Mißmanagements in den chinesischen Labors.

Zu jener Zeit schloß Frankreich, das von Washington isoliert wurde, weil es sich nicht am Irak-Krieg beteiligt hatte, wichtige Wirtschaftsbündnisse mit Peking. Aus der neuen Freundschaft zwischen den damaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac und Hu Jintao erwuchs die Entscheidung, ein gemeinsames Labor der höchsten Sicherheitsstufe P4 in Wuhan zu errichten – trotz der Zurückhaltung der französischen Diplomatie und französischer Militärkreise im Bewußtsein, daß die Wissenschaft in China über die Akademie der Wissenschaften direkt von der Kommunistischen Partei kontrolliert wird. „Zwei Jahrhunderte Fortschritt in der Erforschung der gefährlichsten Viren und Bakterien könnte ein stark militarisiertes und undemokratisches Regime wie das in Peking in die Lage versetzen, ohne jede Kontrolle die Züchtung neuer Krankheitserreger zu beherrschen. Und genau das wird passieren“ (Gatti, S. 226).

Am 23. Februar 2017 gab der sozialistische französische Premierminister Bernard Cazeneuve, als er in Wuhan eingetroffen war, bekannt, daß „es für Frankreich eine Ehre ist, zum Bau des ersten biologischen Hochsicherheits-P4-Labors in China beigetragen zu haben“, dem Wuhan National Biosafety Laboratory. „Dieses Labor, das wir gemeinsam aufgebaut haben, wird eine Speerspitze in unserem Kampf gegen neu auftretende Krankheiten sein“ (hier).

Die chinesische Regierung hatte endlich ihr Ziel erreicht: ihr erstes nationales P4-Labor zu schaffen, ausgestattet mit einer riesigen Biobank mit Virusproben aller Art, in dem sowohl zivile als auch militärische Forschung betrieben wird. Das Wuhan-Labor, im Zentrum eines Netzwerks von P4-Labors, forscht an Viren, die für den Menschen potentiell pathogen sind, sowohl im Bereich der biomedizinischen als auch der biologischen Waffen. „Wir können das Wuhan-Labor daher als außergewöhnliches Instrument zur Erreichung der zivilen und militärischen Ziele der Volksrepublik China betrachten“ (Tritto, S. 78).

Ein Teil der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft ist jedoch besorgt über die mögliche „Freisetzung von Krankheitserregern und die Hinzufügung einer biologischen Dimension zu den geopolitischen Spannungen zwischen China und anderen Nationen“ (Gatti, S. 257).

Am 24. Oktober 2019 veröffentlicht Professor Yuan Zhiming, Direktor des Labors für Biosicherheit in Wuhan, einen Artikel im Journal of Biosafety and Biosecurity des niederländischen Verlags Elsevier, in dem er die Gefährlichkeit der Forschung an Bakterien und Viren in China anprangert. Prof. Yuan schlägt vor, die bestehenden Richtlinien, Vorschriften und Standards für die biologische Sicherheit in chinesischen Labors zu korrigieren. Ist ihm bewußt, daß das neue Coronavirus bereits im Umlauf ist?

 

Die geheimnisvolle Ärztin Shi Zhengli

Die Schlüsselfigur in der Geschichte dieser Ereignisse ist Dr. Shi Zhengli vom Wuhan-Institut, die von ihren Kollegen für ihre Forschung zu Fledermaus-Coronaviren den Spitznamen „Batwoman“ erhalten hatte.

Nach der Epidemie 2002/2003 entdeckte Dr. Shi Zhengli, daß einige Hufeisennasen-Fledermäuse (Rhinolophus ferrumequinum, die ihren Namen einem auffälligen Nasenaufsatz verdanken) die natürlichen Reservoires von Coronaviren sind, die den SARS-Coronaviren ähneln (Wendong Li, Shi Zhengli und Meng YuBats Are Natural Reservoirs of SARS-Like Coronaviruses, in Science, Bd. 310, Nr. 5748, 28. Oktober 2005, S. 676–679) und ab 2005 leitete sie mit ihrem Kollegen Cui Jie ein Forscherteam, das Dutzende Höhlen besuchte, die von Millionen von Fledermäusen bewohnt werden, und von Tausenden in ganz China Proben nahm.

Im Herbst 2006 besuchte Shi Zhengli eine Schulung im P4-Labor „Jean Mérieux“ in Lyon. Nach ihrer Rückkehr nach China nahm sie an einem Projekt teil, das durch gentechnische Eingriffe darauf abzielte, die S‑Spike-Proteine des Fledermaus-Coronavirus zu modifizieren, um ein neues Spike-Protein zu erhalten, das imstande ist, an das gefundene ACE2 (Angiotensin Converting Enzyme 2) anzudocken, das sich in menschlichen Zellen findet und als Rezeptor für das Virus fungieren kann. Das Spike-Protein (englisch für „Dorn“ oder „Stachel“) bedeckt die äußere Oberfläche von Coronaviren mit „kronenförmigen“ Vorsprüngen, die den Hauptmechanismus darstellen, durch den Zielzellen infiziert werden.

2013 wurde Shi Zhengli zur Direktorin des BSL-3-Labors in Wuhan ernannt, wo französische Unternehmen mit dem Bau der Struktur der höchsten Stufe BSL‑4 begonnen hatten, wie in den fast zehn Jahren zuvor unterzeichneten Vereinbarungen vorgesehen. 2014 wurde sie zur Direktorin des Biosafety Committee des Wuhan Institute of Virology und dann zur Direktorin der Special Pathogens and Biosafety Laboratories der Akademie der Wissenschaften befördert. „Mit diesen Positionen erkennt die Kommunistische Partei ihre totale Loyalität an und erwartet von ihr offenbar den gebührenden Respekt“ (Gatti, S. 246).

Am 28. November 2013 veröffentlichte Dr. Shi Zhengli zusammen mit dem britischen Zoologen Peter Daszak in der Zeitschrift Nature eine Studie, in der nachgewiesen wird, daß es möglich ist, ausgehend von einer Probe von Fledermauskot eine Zellkultur zu infizieren, das Coronavirus zu isolieren und sich replizieren zu lassen (hier). Die beunruhigendste Entdeckung ist, daß das neue Coronavirus SL.CoV-WIV1 (Initialen des Wuhan Institute of Virology) und sein Zwilling Rs3367 in der Lage sind, an das Ace2-Enzym anzudocken, das beim Menschen als Rezeptor für das Virus fungiert, und damit potentiell von Fledermäusen auf den Menschen übertragen zu werden und ihn krankzumachen (Gatti, S. 237f).

2014 beginnt Shi Zhengli seine Zusammenarbeit mit Prof. Ralph S. Baric, Direktor des Labors für Immunologie und Mikrobiologie der University of North Carolina at Chapel Hill, um Genmutationsexperimente durchzuführen. „Mit Ralph Baric, dem Papst des synthetischen Coronavirus, zusammenzuarbeiten, stellt für Shi Zhengli eine wahrscheinlich wichtige Etappe dar“ (Brice Perrier, S. 121). Shi Zengli und Baric arbeiten an der sogenannten „Gain-of-Function-Forschung“ (GoF, deutsch Funktionsgewinn-Forschung), einer Technik, die genetische Veränderungen an einem Organismus hervorruft, die den Erwerb einer neuen oder die Verbesserung einer bestehenden Funktion bestimmen können. In der biologischen Forschung wird das Produkt einer Kombination, die durch physikalisches Mischen der Zellen zweier verschiedener Organismen entsteht, als „Chimäre“ bezeichnet, wie das gleichnamige mythologische Wesen. Die Allianz zwischen dem amerikanischen Wissenschaftler und der chinesischen Forscherin zielt darauf ab, eine neue, noch nie dagewesene Chimäre zu bauen, die sich in Mäusen replizieren und verbreiten und menschliche Zellen der oberen Atemwege angreifen kann, mit Infektiositätseigenschaften, die SARS-Viren entsprechen und ohne Möglichkeit einer Heilung.

Gatti kommentiert: „Wenn sich nach der ersten SARS-Epidemie diese mögliche Verwandlung bei Fledermäusen nicht mehr gezeigt hat, ist dies stattdessen in den Labors Chinas und der USA mit der Herstellung des Chimären-Virus passiert: Kurz gesagt, wir haben einen zusätzlichen Erreger, potentiell in der Lage, Tausende von Menschen auszurotten“ (Gatti, S. 249).

 

Die verbotenen Experimente gehen weiter

Als das erste Chimärenvirus geschaffen wird, stellt der Großteil der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft die reale Notwendigkeit solcher Experimente mit Blick auf den Fortschritt des medizinischen Wissens im Vergleich zu den Risiken in Frage. „Die Forscher, erklärte zum Beispiel Simon Wain Hobson, Virologe am Pasteur-Institut in Paris, haben ein neues Virus geschaffen, das sich überraschend erfolgreich in menschlichen Zellen vermehrt. Wenn das Virus entkommen würde, könnte niemand seinen Kurs vorhersagen“ (Gatti, S. 252).

Am 7. Oktober 2014, unter Obamas Präsidentschaft, setzt das Büro für Wissenschafts- und Technologiepolitik des Weißen Hauses die Bundesförderung für jegliches Gain-of-Function-Experiment, das Krankheitserreger wie die Vogelgrippe, SARS- oder MERS-Viren potenziert, aus. Im Dezember 2017 widerruft US-Präsident Donald Trump die Aussetzung der drei Jahre zuvor von Obama gestoppten Experimente. Da jedoch die Arbeit von Shi Zhengli und Ralph Baric an der Coronavirus-Chimäre vor dem Moratorium 2014 der US-Regierung vom National Institute of Health genehmigt wurde, wird sie unter allgemeiner Besorgnis fortgesetzt.

Darüber hinaus erhält Peter Daszak, Präsident der Eco Health Alliance, 2014 3,75 Millionen Dollar vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID, US-Bundeseinrichtung) für ein sechsjähriges Projekt zum Ernstfall eines neuen Coronavirus, das von Fledermäusen stammt. Zwischen März und Juli 2016 zeichnet das Team um Shi Zhengli und Peter Daszak das Genom anderer Fledermaus-Coronaviren auf und schafft es, im Labor ein neues Coronavirus zu isolieren und zu replizieren, das sie WIV16 nennen. Ein ausführlicher Bericht der New York Times vom 22. Juli 2021 erinnert daran, daß Dr. Shi Zhengli und ihre Kollegen aus dem Wuhan-Labor bereits 2017 einen Bericht über ein Experiment veröffentlichten, in dem sie durch Mischen verschiedener bestehender Teile neue hybride Fledermaus-Coronaviren erzeugten, darunter mindestens eines, das fast auf den Menschen übertragbar war, um durch sogenannte Gain-of-Function-Experimente ihre Fähigkeit, menschliche Zellen zu infizieren und sich in diesen zu vermehren, zu untersuchen.

Diese Forschungen wurden von den chinesischen Militärbehörden unterstützt und gefördert. Am 5. Januar 2018 hinterlegte das Institute of Military Medicine Nanjing Command in der Datenbank GenBank zwei SARS-ähnliche Fledermaus-Coronaviren namens SL-CoVZC45 und SL-CoVZXC21, die Fledermäuse infizieren und die 2018 in Ostchina identifiziert wurden (hier).

Zu Recht fragt man sich: Warum interessiert sich die Chinesische Volksbefreiungsarmee für die Entwicklung neuer Coronaviren, wenn nicht unter dem Blickwinkel von Studien zur biologischen Kriegsführung?

Im Zentrum dieser Forschung zur Entwicklung der Kriegs‑, Offensiv- und Verteidigungsfähigkeiten des kommunistischen Chinas steht das Wuhan-Labor, in dem das Wuhan Institute of Biological Products tätig ist, ein Institut, das Teil der Forschungseinrichtungen für biologische Kriegsführung ist, die unter der Kontrolle des Verteidigungsministeriums der Volksrepublik Chinas stehen. (Fortsetzung folgt.)

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