Corona: Eine Strafe Gottes? - Corrispondenza romana
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Corona: Eine Strafe Gottes?

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(Simon Kajan, Die Tagespost – 18. März 2020) Wurden vor der katholischen Aufklärung im 18. Jahrhundert noch Prozessionen zur Abwendung von Epidemien gehalten, ist das Aufkommen des Rationalismus auch am Glaubensbewusstsein vieler Christen nicht spurlos vorübergegangen. Als der Churer Weihbischof Marian Eleganti einen Zusammenhang zwischen der Frömmigkeit eines Volkes und seiner Bedrohung durch die Coronaepidemie herstellte, war nicht nur in der Schweiz der Aufschrei groß.

Die “Frankfurter Rundschau” warf ihm vor, mit einem christlichen Fundamentalismus die Handlungsoptionen des Menschen in Richtung einer “imaginierten Gottheit zu kanalisieren”. “Eine Abkehr vom  Herrn  wird entsprechend mit Krankheit”, aktuell Corona, “bestraft”, so die Kolumnistin Katja Thorwarth. Die Rede vom Strafgericht ist Provokation für Gläubige und offenbar auch Ungläubige.

So reagierte Bambergs Erzbischof Ludwig Schick auf die Coronaepidemie und die Einlassungen seines Churer Mitbruders: Nun sei alles zu tun, “um das Virus zu beherrschen”: “sorgt für die Erkrankten und kümmert Euch um die Furchtsamen, vertieft die Achtsamkeit, verstärkt die Nächstenliebe”. Es sei dagegen zynisch, den Virus als Strafe Gottes zu bezeichnen, das sei “mit Jesu Botschaft unvereinbar”.

Die Frage nach den zeitlichen Strafen, die Gott seinem Volk auferlegt, spielt dagegen auch im Neuen Testament eine Rolle. Im Lukasevangelium (13, 1 5) mahnt Jesus selbst, dass alle seine Jünger ebenso umkommen werden wie die Anhänger von Judas des Galiläers, wenn sie sich nicht bekehrten. Judas  Anhänger zogen sich den Zorn des Pilatus zu, da sie dem Kaiser die Achtung verweigerten. Nach Cyrill von Alexandrien und Johannes Chrysostomos ließ Gott diese Strafe zu, “damit die Lebenden, angesichts des schreckenerregenden Beispiels anderer, Erben des Reiches würden”. Womit nicht gesagt sei, sie hätten den Tod erlitten, “weil sie schlimmer gewesen seien als diejenigen, die solches nicht erlitten hatten”. Aber für diejenigen, die es sehen, sei es ein Anknüpfungspunkt, das Heil zu erlangen.


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Das moderne Missbehagen gegenüber der Vorstellung des zeitlich richtenden Gottes sieht der italienische Historiker Roberto de Mattei im philosophischen Einfluss Hegels motiviert, der die Urteile Gottes über die Geschichte durch die Urteile der Geschichte ersetzt habe. Dabei sei die Geschichte für den Christen jedoch eine Kreatur Gottes. Bernardin von Siena habe gewarnt, dass Naturkatastrophen im Laufe der Geschichte immer die Untreue und den Abfall von Nationen begleitet hätten. Schließlich richte auch die Liturgie der Kirche Bitten an Gott, dass er das Volk von Pest und Krankheiten befreie.

De Mattei antwortete mit einem Vortrag zur Coronakrise unter anderem dem Mailänder Alt-Erzbischof Angelo Kardinal Scola, der die Vorstellung zurückwies, Gott benutze den Coronavirus als “Element der Rache”. Nach Scola gehöre die Vorstellung von einer göttlichen Bestrafung nicht zur christlichen Vision. Scola erinnerte daran, dass die durch den Coronavirus hervorgerufene Krise letzte Fragen aufwerfe: “Wofür lebe ich?  Das sind Gelegenheiten, um uns nach dem Sinn des Lebens zu fragen.”

Der “moralisch-therapeutische Deismus” wird angesichts der Zerbrechlichkeit der Existenz fraglich; aber auch vermeintlich “fromme” Einlassungen fordern die Kirche heraus. Naiver Quietismus wird sogar gefährlich, wenn das Weihwasser kontaminiert ist, oder die Kommunionspendung Gefahren birgt. Doch die alten Moraltheologen wussten noch in Einklang mit dem Aquinaten: Es muss alles unternommen werden, dass das Sakrament des Lebens nicht zum Anlass des Todes werde. Die Corona-Krise zeigt, dass das Thema Gott als Richter und Herr der Geschichte für die Theologen zurückgekehrt ist.


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