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Erzbischof Kothgasser, ein ‘ungehorsamer’ Casanova und 5000,– Euro

Skandal in der Erzdiözese Salzburg: Religionssoziologe Casanova bekam bei den umstrittenen „Salzburger Hochschulwochen“ 5000,– Euro vom Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser überreicht. Zuvor durfte Casanova gegen die katholische Kirche schimpfen.

Salzburg (kath.net/KAP/red)
Die antirömische Welle bei den umstrittenen „Salzburger Hochschulwochen“ erreichte am Mittwoch einen neuen Höhepunkt. Diesmal bekam der spanisch-amerikanische Religionssoziologe Jose Casanova dafür eine Bühne und durfte bei der Kirchenveranstaltung angesichts eines Auseinanderdriftens von kirchlicher und säkularer Moral ähnlich wie Helmut Schüller zum „zivilen kirchlichen Ungehorsam“ aufrufen.

Casanova erklärte bei seiner Rede wörtlich: “Wie moderne demokratische Gesellschaften sich das Prinzip des zivilen Ungehorsams zueigen machen müssen, so muss sich auch die katholische Kirche in einer modernen Welt das Prinzip ‘faithful dissent’ in ihren Reihen aneignen und sich dem internen Pluralismus öffnen.” Der Vortrag war die Dankesrede Casanovas auf die Verleihung des “Theologischen Preises” der Hochschulwochen. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung war ihm zuvor von Erzbischof Alois Kothgasser überreicht worden.

Ein ziviler kirchlicher Ungehorsam ist laut Casanova seiner Meinung nach die angemessene Form, theologische Verantwortung in einer Situation eines Auseinanderdriftens von gesellschaftlicher und kirchlicher Moral zu übernehmen. Aus soziologischer Sicht stellen sich für ihn insbesondere die Bereiche der „Geschlechtergerechtigkeit“ und der Sexualmoral als kirchliche Baustellen für die Zukunft dar. Wolle die Kirche einem weiteren Auseinanderklaffen der von ihr propagierten Moral und der säkularisierten gesellschaftlichen Moralvorstellungen entgegentreten, so seien diese Bereich besonders zu beachten, behauptet Casanova dann.

Das Problem der Geschlechtergerechtigkeit und der kirchlichen Sexualmoral stelle sich daher nicht als theologisches Problem dar, sondern vor allem als “fundamentales Problem patriarchaler Geschlechterdiskriminierung innerhalb der männlichen klerikalen Kirche”. Nicht gelten lässt Casanova dabei den Verweis auf die Berufung von Männern durch Jesus.

Die jüngste vatikanische Maßregelung der amerikanischen Ordensfrauen könne in dieser Perspektive als konsequenter Versuch verstanden werden, sich den “radikalen Veränderungen der Rahmenbedingungen” zu entziehen: “Der Feminismus scheint den Kommunismus als Schreckgespenst aller religiösen Traditionen ersetzt zu haben”. Gleiches gilt laut Casanova auch für die Abkehr vom Prinzip des “aggiornamento”, der vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) propagierten Öffnung der Kirche zur Welt und zu den “Zeichen der Zeit”: Wäre dies aus soziologischer Sicht eine “erfolgreiche Adaption an einige fundamentale Moralprinzipien der säkularen Moderne”, so beharre die Kirche heute doch weiterhin bei Themen wie Familienstrukturen, Geschlechterrollen, Macht und Autorität auf einer “traditionalistischen, naturalistischen und unreflektierten fundamentalistischen Position”.

Dabei verkenne die Kirche die im Prinzip des “aggiornamento” verborgene kritische Kraft: Denn mit der Beachtung der “Zeichen der Zeit” sei keinesfalls eine “unkritische Anpassung an die moderne säkulare liberale Kultur” gemeint, sondern vielmehr der Versuch bezeichnet, eine “kritische, wahrhaft prophetische Beziehung zur säkularen Kultur” zu suchen. “Nur eine Kirche, die den Wert des Kerns der modernen Moralentwicklung erkennt und als schicksalhaftes ‘Zeichen der Zeit’ annimmt, kann eine kritische prophetische Rolle gegenüber unmoralischen und anomischen säkularen Trends spielen”, erklärt Casanova außerdem

Mit der romtreuen, jungen Priestergeneration kann der Soziologe übrigens wenig anfangen: “Die wachsende Klerikalisierung der Diözesanpriester, die sich zunehmend von Laien und der Welt zurückziehen, ist ein problematischer Trend in der Kirche von heute.”